Samstag, 25. August 2012

Kambodscha – Vergangenheit und Gegenwart


Hi-Tech begrüsst uns gleich an der Grenze, wir werden fotografiert, mit einem Gerät der neuesten Generation werden uns Fingerabdrücke abgenommen und gespeichert. Genau gesagt nur bei Romy, bei mir belässt es der Grenzbeamte bei einem Bild. Hat er die Fingerabdrücke vergessen oder sehe ich vielleicht harmloser aus? Das Zollbüro finden wir nicht und so fahren wir weiter. “Never ask the government too much” ist unsere Devise. Gleich hinter der Grenze stehen mehrere Kasinos. In Thailand ist das Glückspiel verboten und das nutzen die Kambodschaner natürlich aus.

Unser nächstes Ziel, Siem Reap, ist der Ausgangpunkt für die Besichtigung der weltbekannten Tempeln um Angkor Wat. Doch zuerst haben wir etwas Wichtigeres vor. In Siem Reap befinden sich zwei der fünf Spitäler, die Dr. Beat Richner, bekannt in der Schweiz unter seinem Künstlernamen Beatocello, in Kambodscha gegründet hat. Heute, wie an jedem Samstag, gibt er ein Konzert. Dabei spielt er Cello und erzählt von seiner Arbeit. Und die ist wirklich beeindruckend. Die leidenden Kinder in Kambodscha (wo nach der Vertreibung der Roten Khmer alles zerstört war) vor Augen und mit einer grossen Portion Idealismus im Herzen hat er seine gutgehende Kinderarztpraxis in Zürich geschlossen und sich dem Gedanken verpflichtet, den kambodschanischen Kindern zu helfen. Mit Schweizer Perfektion hat er seitdem fünf Kinderspitäler aufgebaut – drei in Phnom Penh und zwei hier in Siem Reap. Die Behandlung der Kinder in diesen Spitäler ist kostenlos und darum ist er auf Spenden angewiesen. Von der kambodschanischen Regierung kommt wenig, zu arm ist das Land. Die Schweiz deckt mit 4 Millionen Franken knapp 10% des Budgets ab, alles andere sind private Spenden. Wie wir uns überzeugen konnten, ist dieses Geld gut angelegt. Gerade jetzt, in der Regenzeit, herrscht eine Dengue-Fieber-Epidemie. Nur sehr wenige Kinder überleben diese Krankheit ohne entsprechende Behandlung. Kinder im Dengue -Fieber -Schock können nur mit einer Bluttransfusion gerettet werden. Darum brauchen die Spitäler nicht nur viel Geld sondern auch viele Blutkonserven. Aus den Worten des Beatocello hört man viel Engagement aber auch eine gewisse Verbitterung – er muss um jeden Franken kämpfen damit er seine Arbeit hier machen kann. Und von denen, die dieses Elend mitverursacht haben (gemeint sind die USA mit ihrer Politik) hört er nur Ausreden.

Falls jemand von unseren Lesern etwas Gutes tun möchte, die Nummer des Spendenkontos in der Schweiz ist 80-60699-1, die Spende kann bei der Steuererklärung abgezogen werden. Nach dem Konzert haben wir Gelegenheit mit ihm persönlich zu reden. Romy bekommt einen Termin, um im Spital für ihren Artikel im „Limmatthaler“ fotografieren zu können.

Am  nächsten Tag gehen wir dort hin. Dr. Richner nimmt sich die Zeit für uns und zeigt uns mit Stolz ein Teil des Spitals und erklärt uns die Zusammenhänge. Dabei wird er ständig durch sein Mobiltelefon unterbrochen. Von den kambodschanischen Angestellten wird er höflich mit „Sir“ angesprochen. Die Blicke der Mütter, die mit ihren Kindern auf Entlassung warten, sind mit Dankbarkeit erfüllt. Denn es ist allen klar – ohne sein Lebenswerk würden viele dieser Kinder nicht mehr leben oder den Rest ihres Lebens behindert bleiben.

Szenenwechsel: Die Tempel um Angkor Wat bilden die grösste Tempelgruppe der Welt und der Haupttempel Angkor Wat, der zum UNESCO Kulturerbe gehört, ist der weltweit grösste Einzeltempel. Es überrascht uns deshalb nicht, dass wir hier auf eine riesige Menge, vorwiegend chinesischer, Touristen treffen. Bereits diskutiert man über eine zahlenmässige Begrenzung der Besucher. Der Schönheit und Erhabenheit der Tempel tut der Rummel keinen Abbruch, die besondere Atmosphäre, die diese Anlagen ausstrahlen, geht dabei aber leider verloren.

Wir stehen mit unserem Auto im Garten eines kleinen Hotels. Als wir am ersten Tag müde und von Eindrücken überwältigt von den Besichtigungen zurückkommen, will Romy das schwere, eiserne Schiebetor öffnen. Unglücklicherweise fällt dieses um und klemmt ihr dabei den Fuss ein. Durch ihre Schreie alarmiert eilen Leute herbei, helfen das schwere Tor zu heben und Romy aus ihrer misslichen Lage zu befreien.

Doch der Fuss ist bös zugerichtet, im Augenblick schwillt er stark an. Wir haben grosse Befürchtungen, dass etwas gebrochen sein könnte. Das Hotelpersonal bringt Eis und versucht die Schwellung und den Schmerz zu lindern. Ich suche inzwischen unsere Medikamentenkiste durch. Das Einzige, was geeignet scheint, ist ein Gel für Sportverletzungen. Nach einiger Zeit kann Romy humpelnd mit Unterstützung das Zimmer erreichen wo ich den Fuss verbinde.


Romy ist bekanntlich „hart im Nehmen“, so ein „kleiner“ Unfall kann ihr (fast) nichts anhaben. Am nächsten Tag will sie unter keinen Umständen im Bett bleiben. Die steilen Treppen der Tempel kann sie aber auch nicht rauf und runter steigen. Darum machen wir eine Bootstour zum schwimmenden Dorf in Tonle Sap See. Der Wasserspiegel dieses Sees verändert sich im Lauf des Jahres um einige Meter. Darum schwimmt in diesem Dorf alles – Häuser, Läden, Schule, Polizeistation, Restaurants und sogar der Tempel und die Kirche. 

Das Leben spielt sich ausschliesslich auf dem Wasser ab, Kinder fahren mit kleinen Booten zur Schule und die Händler rudern mit ihren schwimmenden Läden von Haus zu Haus, eigentlich von Boot zu Boot. Die Bewohner leben vom Fischfang und der Krokodilzucht. Manchmal werden diese gefährlichen Tiere sogar im unteren Teil des Hausbootes gehalten. Das Zuschauen bei der Fütterung mit Fischen ist eine schaurige Angelegenheit.

Romy geht es von Tag zu Tag ein wenig besser, darum wagen wir uns an weitere Besichtigungen der Tempel von denen es unzählige gibt. Wir haben die Qual der Wahl, entweder die Grossen und Bekannten mit vielen Touristen oder die Kleinen, bei denen wir fast alleine sind. Romy will jeden Tempel besichtigen, schliesslich hat das Ticket 40 USD gekostet. Und ich kann hiermit bestätigen, dass sie nur einen einzigen ausgelassen hat. Um wirklich alle zu sehen steigt sie sogar in einen Ballon, der an einem 200 Meter langen Seil rauf und runter gelassen wird.


Aber es gibt hier noch viel anderes zu sehen. Zum Beispiel die „Silk Farm“. Und da unser Projekt bekanntlich „Die Seidenstrasse“ heisst, fahren wir dorthin. Zum ersten Mal können wir den ganzen Prozess der Seidenherstellung mitverfolgen, von den Maulbeerbäumen angefangen, deren Blätter für die Nahrung der Raupen dienen, dem ganzen Lebenszyklus der Seidenraupe, dem Spinnen, Färben, Weben, Nähen bis zum fertigen Produkt im Fabrikladen. Wir haben viel Neues gesehen und erfahren, doch nun ist es Zeit weiterzufahren, das nächste Ziel ist die Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh. 

Montag, 20. August 2012

Das Leben in Bangkok


Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei – das ist allgemein bekannt. Auch für uns gehen die schönen Tage auf Ko Samui zu Ende. So wie wir gekommen sind verlassen wir mit der Fähre die Insel und fahren zu den Stränden an der Westküste nach Khao Lak. 

Von diesem Strand schwärmten alle uns bekannten Reisenden. An Weihnachten und Neujahr haben dort teilweise bis zu zehn Fahrzeuge unter den Kokospalmen gestanden, wurde uns mit Begeisterung berichtet. Wir haben aber leider nicht so eine gute Zeit erwischt – der Strand ist zwar da, das Meer und die Palmen auch und sogar die Massagefrauen, sonst aber niemand. Darum bleiben wir nicht lange und fahren weiter Richtung Norden. Gleich wie in Malaysia sind hier die Ölpalmen sehr verbreitet. Wir kommen zu einem breiten Fluss der hier die Grenze zu Myanmar bildet. Das Ufer auf der anderen Seite ist mit dichtem, undurchdringlichen Urwald bedeckt, kein Dorf, kein Mensch. ist zu sehen. Vielleicht 50Meter Wasser trennen uns von dem Land, durch das wir so gerne gefahren wären. Es hat nicht sein dürfen, etwas Wehmut befällt uns beim Blick auf die gegenüber liegende Seite. So bleibt uns hier nur die Besichtigung einer Höhle mit Fledermäusen auf der thailändischen Seite. Ein Mann, der im Fluss fischt, fällt uns auf, besser gesagt wir ihm. Beim Gespräch stellt sich heraus, dass er ein Amerikaner ist, der als Manager für eine amerikanische Ölfirma arbeitet. Beim Abschied bekommen wir eine Einladung in sein Haus in Bangkok.
Immer weiter geht es Richtung Norden. Die Ölpalmen werden irgendwann von Reisfeldern abgelöst. Die Zahl der Dörfer nimmt zu, der Verkehr wird dichter, wir haben die Vororte von Bangkok erreicht. Der GPS leistet nur bedingte Hilfe, denn oft laufen vier Strassen parallel oder sogar übereinander, das Gerät ist eindeutig überfordert -ich übrigens auch. Zum Glück kann ich mich an den Ampeln etwas erholen, die Rotphasen dauern jeweils über eine Minute lang. Die Hinweisschilder sind zwar vorhanden, leider kommen die Namen nicht auf unserer Strassenkarte vor. Langsam arbeiten wir uns zu unserem Guest House in der Nähe der berühmten Khao San Strasse vor. Wir werden in Bangkok wieder in einem Guest House wohnen und die Stadt zu Fuss erkunden.

Natürlich können wir die weltbekannten Sehenswürdigkeiten nicht links liegen lassen – Grand Palace, Wat (Kloster) Pho mit dem liegenden Buddha, Wat Arun und andere Tempel. Dort sind wir leider nicht die einzigen. Ganze Busladungen, vorwiegend chinesischer Touristen, mindern etwas die Freude an den farbenprächtigen Anlagen, wir werden geschubst und müssen lange anstehen. Doch die Stadt ist gross und sie hat Hunderte von Klöstern und Tempeln die vielleicht nicht so bekannt sind aber nicht minder schön.


Für sie hat der Pauschaltourist natürlich keine Zeit in seinem Programm - zu unserem Vorteil. Aber wenn wir uns auch noch so anstrengen würden, um alle Klöster und Tempel zu sehen, bräuchten wir Monate.
Selbstverständlich bietet die Stadt viel mehr als nur Tempel. Das interessanteste in Bangkok ist das Strassenleben. Die engen Gassen mit Garküchen, Tuck-Tucks, die durch die Strassen rattern, Märkte und vor allem der Fluss und Kanäle. Unzählige Boote tummeln sich auf dem Wasser, grosse und kleine, schnelle und langsame. Es grenzt an Wunder, dass hier nicht zu einer Kollision kommt. Und für die „Fussfaulen“ kann es nichts Besseres geben als die Stadt vom Wasser aus zu erkunden. Das Leben hier hat viele Seiten. Die Massagesalons, die die verschiedensten Arten von Massage anbieten - alles anständig natürlich. Auch wir anvertrauen unsere müden Füsse den kundigen Händen der Massagefrauen. Da sind noch die unzähligen Schneidergeschäfte, die in 24 Stunden für wenig Geld Massanzüge fertigen. Die Optiker und Dentisten – neue Brille oder Gebiss, alles kann man schnell und billig haben. Es leben auch viel Fremde in der Stadt, teilweise illegal. Den hier lebenden Europäern verdankt man den guten Kaffee, Kuchen und nicht zuletzt das dunkle Brot. Klar erreichen die Preise für solche „Leckereien“ europäisches Niveau aber wer monatelang das pappige weisse Brot gegessen hat, kümmert sich nur am Rand darum.


Dann läutet eines Abends unser Mobiltelefon. Was ich noch nicht geschrieben habe, wir haben eine thailändische Nummer. Es ist der Amerikaner, den wir beim Fischen kennengelernt haben. Er wiederholt seine Einladung und wir sagen gerne zu. Am nächsten Tag holt er uns mit seinem Dienstauto (mit Chauffeur) ab. Und so bekommen wir die Gelegenheit das Leben eines internationalen Managers aus der Nähe zu erleben. In seinem schönen, im thailändischen Stil eingerichteten Haus, bei gutem Essen und einer Flasche französischen Wein reden wir über Gott und die Welt bis tief in die Nacht. David hat sehr grosses Interesse an der Art unseres Reisens, offen spricht er davon gerne auch etwas Ähnliches zu unternehmen, was wir ihm auch gerne glauben. Danke David für diesen besonderen Abend. Und deinem Fahrer, dass er uns zum Hotel zurückgebracht hat. Alleine wäre es etwas schwierig, denn so einen guten Wein haben wir zuletzt in der Schweiz getrunken.
Aber auch hier gilt das vorweg gesagte – alles hat ein Ende. Wir verlassen Bangkok genauso mühsam wie wir gekommen sind. Diesmal ist die Richtung nach Osten, zu der kambodschanischen Grenze. Auf dem Rückweg von Laos werden wir noch einmal nach Thailand kommen. Es hat nicht viel Sehenswürdigkeit unterwegs, die eine hat es aber in sich.

In einem Schuppen ist ein Mechaniker daran den rostigen alten VW Bussen ein zweites Leben zu geben. Romy sagt es nicht viel aber ich bin begeistert. So einen alten VW- Bus - Oldtimer zu fahren war immer mein Traum. Vielleicht einmal später, denn jetzt ist das Reisen dran. Morgen werden wir ein neues Land betreten, was wird uns in Kambodscha erwarten? 

Donnerstag, 9. August 2012

Wir leben in einem Haus


Die meisten Leute leben in einem Haus. Wir auch, doch unser Haus hat bekanntlich vier Räder und steht jeweils immer wieder an einem anderen Ort. Aber diesmal ist es anders, wir leben in einem richtigen Haus! Und es ist nicht irgendein Haus. Es hat eine riesige Terrasse mit Meeresblick, rund herum wachsen Kokospalmen und Bananenstauden und es steht mitten in der Natur. Die nächsten Nachbarn sowie eine Autostrasse sind weit weg. Ein kleines Paradies sozusagen. 

Nun .muss ich aber erklären wie wir dazu gekommen sind. Wir wollten schon immer ein paar Tage Strandurlaub einschalten hier in Thailand. In Krabi haben wir angefangen und wollten weiter nach Phuket fahren, doch war uns der Rummel dort eigentlich zu viel. Zu viele Touristen, zu viel Aktivitäten. Da kam uns die Einladung von Bianca und Florian sehr willkommen. Die beiden sind mit unserer Gruppe im letzten Jahr eine Teilstrecke durch Tibet gefahren. Allerdings nicht nach Nepal wie wir, sondern direkt nach Südostasien.

Während wir in der Schweiz den Winter verbracht haben, sind sie in Laos, Thailand, Malaysia und Kambodscha herumgereist. Nun geht ihre Reise langsam dem Ende entgegen, ihr Auto wird bald nach Europa verschifft. Sie haben sich zum Schluss ihrer Reise etwas Besonderes geleistet und ein Haus auf Kho Samui gemietet. Eben das Haus, das ich am Anfang erwähnt habe. Gern haben wir Phuket links liegen lassen und folgten der Einladung. Die Insel Kho Samui ist wirklich eine Perle unter den thailändischen Inseln - ohne jede Hektik. So sitzen wir nun auf der besagten Terrasse bei Gin und Tonic, schauen dem Sonnenuntergang zu und erzählen und erzählen. Über das was wir und was sie erlebt haben. Über Bekannte, die wir und sie unterwegs getroffen haben. Oft stellen wir fest, dass die Welt eigentlich klein ist. Sie haben Reisende getroffen, die wir auch irgendwo getroffen haben. Oder sie haben von Leuten und Vorkommnissen gehört, von denen wir auch gehört haben. Für uns besonders wichtig – sie haben Länder und Gebiete bereist, die noch vor uns liegen. So bekommen wir jede Menge nützlicher Tipps.

Wir sind in richtiger Urlaubstimmung. Es wird lange geschlafen, ausgiebig gefrühstückt und noch ausgiebiger gefaulenzt. Kochen kommt nicht in Frage, wir essen auswärts. Das Meer ist türkisblau, der Sand am Strand goldfarben und das Wasser auch für Romy warm genug. Es heisst also das Leben geniessen. Im Hier und Jetzt, wie schön ist das nach dem Stress mit Verschiffung von Kolkata. Ja, Kolkata scheint für uns jetzt auf einem anderen Planeten zu liegen. Ein Gedanke kommt auf – vielleicht so ein Haus kaufen, um hier, wenigstens für ein paar Monate im Jahr zu leben, träumen ist ja erlaubt.

Aber das Reisen kommt auch nicht zu kurz. Wir buchen einen Ausflug mit dem Boot zu den unbewohnten Nachbarinseln, machen eine Wanderung zu einem Wasserfall und umrunden die Insel.

Bianca und Florian bleiben bis Mitte September hier, der Rückflug ist schon gebucht. Nach sechs gemeinsamen Tagen verabschieden wir uns, packen unsere Sachen ins Auto und verlassen die Insel. Die Fahrt Richtung Bangkok liegt vor uns. Es bleiben schöne Erinnerungen – vielen herzlichen Dank für alles, liebe Bianca, lieber Florian.



Donnerstag, 2. August 2012

Es geht doch weiter


Heute ist der lange ersehnte Tag. Nach den ganzen Erfahrungen der letzten vier Wochen trauen wir der Sache nicht ganz und buchen noch eine zusätzliche Nacht im Hotel. Wir wissen nur eins – gestern ist das Schiff angekommen, aber ob wir den Brummi heute bekommen werden? Unser guter Helfer Thomas (ein Chinese) hilft uns mit den letzten Papieren und bringt uns dann mit seinem Auto in den Hafen. Der Eintritt ist einfach, wir müssen nur die Pässe abgeben.

Und dann stehen wir vor ihm – dem blauen Container. Der Siegel wird aufgebrochen, die Türe aufgemacht und der Brummi kommt zum Vorschein, noch immer mit dicken Stahlseilen gefesselt. Alles da, nichts fehlt ausser einer Stirnlampe, die sich der Zöllner in Indien ausgeliehen hat (und vergessen hat zurück zu geben).
Mit einem feierlichen Gefühl fahre ich ihn ans Sonnenlicht, wir haben ihn wieder! Wir sind froh, dass es unsere letzte Nacht im Hotel ist. Trotz Hitze freuen wir uns schon darauf im Bus schlafen zu können.
Am nächsten Tag fahren wir los, entlang der Westküste der Malaysischen Halbinsel Richtung Norden. Wir haben Malaysia vor sechs Jahren ausgiebig bereist und so fahren wir zügig nach Thailand. Langsam finden wir zu unseren Reiserhytmus zurück. Und ich geniesse die feinen Kochkünste von Romy wieder, nach einem Monat indischer und malaiischer Küche haben wir beide Lust auf etwas anderes.
Über eine 15 km lange Brücke kommen wir nach Penang. Dort wollen wir mit einem Schiffsagenten sprechen, den uns Bekannte empfohlen haben. Er soll für uns eine Verschiffung (brr – schon wieder) organisieren. Nicht jetzt gleich, sondern erst nachdem wir die zweite Reiseetappe beendet ist. Es kommen zwei Destinationen in Frage – nach Hause oder nach Australien, im Moment ist noch alles offen………..
Die Landschaft hier an der Westküste ist nicht berauschend. Es scheint, dass das ganze Land mit Ölpalmen-Plantagen bedeckt ist. Malaysia ist einer der grössten Palmölproduzenten der Welt. Dies bringt nicht nur Geld sondern auch sichtbar ökologische Schäden mit sich. An der flachen, schlammigen Küste selber wachsen dicke Mangrovenwälder. Doch wir haben einen der wenigen Sandstrände gefunden. Da bleiben wir über Nacht und feiern unter Kokospalmen meinen Geburtstag nach. Romy zaubert eine Flasche französischen Champagner hervor, schön gekühlt in unserer Kühltruhe, es gibt ein wirklich würdiges Fest, wenn auch zwei Tage verspätet.


Der Grenzübertritt nach Thailand gestaltet sich problemlos. Nur existiert die Schweiz im thailändischen Computersystem für Fahrzeugregistration nicht. Ja es fahren wahrscheinlich nicht viele Schweizer Autos über diesen kleinen Grenzübergang. So werde ich kurzfristig zum malaysischen Staatsangehörigen, schliesslich kommen wir ja von dort, so die Begründung. Aber ich hätte auch ein Bürger von Swasiland werden können. Auch unser Autotyp gibt es nicht im System. Also wird der VW zum Toyota und wir können einreisen.
Es ändert sich zuerst nicht viel nach der Grenze. In den südlichen Provinzen Thailands leben wie in Malaysia mehrheitlich Moslems und vielleicht ist dies der Grund, warum es an der Strasse viele Kontrollposten gibt. Es gibt hier immer wieder Anschläge von Separatisten. Erst später stossen wir auf die ersten farbenfrohen Thai-Tempel. 


Wenn man Thailand sagt, denkt man vor allem an Badeurlaub. Und so ist auch unsere erste Station Krabi an der Westküste. Von dort aus erreicht man mit dem Boot viele Badeinseln, unter ihnen auch die mit dem romantischen Namen Kho Phi-Phi.

Freitag, 27. Juli 2012

Die bangen Tage ohne Brummi

Pünktlich fliegen wir von Kolkata weg. Wir sind froh die Stadt endlich verlassen zu können. Der Flug dauert vier Stunden, Zehn Minuten nach Mitternacht landen wir in einer anderen Welt. Die Sauberkeit blendet uns fast - obwohl es spät in der Nacht ist. Hier funktioniert alles, ohne langes Warten werden wir vom gebuchten Hotel abgeholt. Am nächsten Tag fahren wir in die Stadt. Ich habe es noch nicht gesagt – wir sind in Kuala Lumpur, Malaysias Hauptstadt. Nun beginnen die langen Tage des Wartens. Kuala Lumpur ist eine grosse Stadt, mit über 1,5 Millionen Einwohnern, in der es viel zu sehen gibt. Wir waren vor sechs Jahren hier und haben die wichtigsten Sehenswürdigkeiten schon damals besichtigt. Trotzdem gibt es für uns noch Neues zu entdecken. 


Ein Besuch in einer Moschee ist auch den Ungläubigen erlaubt, während Miro nur die Schuhe ausziehen muss, wird es für Romy komplizierter – sie muss sich der islamischen Kleiderordnung entsprechend anziehen. Der Iran lässt grüssen!


Langsam haben wir aber genug vom Hotelleben und würden lieber in unserem eigenen Bett schlafen. Dazu kommen schlechte Nachrichten. Das Schiff mit dem Brummi, das am 22. Juli ankommen sollte, hat zwei Tage Verspätung. Einige Tage später werden nochmals weitere zwei Tage angekündigt, also wird es erst am 26. Juli einlaufen, wenn nicht noch mehr Hiobsbotschaften kommen. Da nehmen wir die Einladung unserer Bekannten Swee und Yit nach Singapur zu kommen gerne an. Der Stadtstaat ist ja nur „ein Katzensprung“ von Kuala Lumpur (ca. 450 km) entfernt.

Von Singapur sagt man, es sei die Schweiz Asiens. Unser erster Eindruck ist, dass Singapur die Schweiz bereits überholt hat. Breite Strassen, gigantische Hochhäuser und alles wirkt wie ein grosser Park, grün und sauber. Wir fassen uns immer wieder an den Kopf – es sind erst ein paar Tage her, wo wir durch unbeschreiblichen Dreck gelaufen sind. Kein Abfall liegt auf der Strasse, die Gehsteige sind putzsauber, so dass man vom Boden essen könnte. Der Unterschied ist nicht zu beschreiben. Und all das ist möglich ohne sichtbare Aufpasser, ganz selbstverständlich. (Später merken wir schon, dass die Aufpasser fast überall sind - in Form von Beobachtungskameras). Jedes Auto ist mit einem kleinen Gerät ausgestattet,  mit dem Strassen- und Parkgebühren vollautomatisch abgebucht werden. So kann man aber auch  jeder Zeit feststellen, wo sich ein bestimmtes Auto befindet. Auch der öffentliche Verkehr ist vorbildlich organisiert. Am Abend merken wir, dass Singapur eine grosse „Fressbeiz“ ist. Es scheint, dass die Einwohner nicht gerne zu Hause kochen, lieber gehen sie aus. Und Gelegenheiten zum Auswärtsessen gibt es unzählige. Nicht nur zum Essen sondern auch zum Einkaufen. Es hat Einkaufzentren ohne Ende, hier Malls genannt. Und dort findet man wirklich alles – Kirschen aus USA, Milch aus Australien, Butter aus New Zealand, Kiwi aus Chile, Teigwaren aus Italien, Schweizer Schokolade, alles was das Herz begehrt. Die Preise sind auch entsprechend, sie haben das Schweizer Niveau auch bereuts eingeholt.

Wir besuchen das neue Wahrzeichen von Singapur – das Marine Sands Hotel, drei gläserne Türme die oben mit einem Ding verbunden sind, das an eine überdimensionierte Banane erinnert. Darin ist ein Kasino untergebracht in dem der weltweit zweitgrösste Umsatz gemacht wird. Ganz oben gibt es einen über 100 Meter langen Swimmingpool, allerding nur für die  Hotelgäste. Wir genehmigen uns in der luftigen Höhe von 57 Stockwerken einen Drink aus frischer Kokosnussmilch. 

Mit unseren Bekannten erkunden wir die ganze Insel, doch nach vier Tagen müssen wir zurück nach Malaysia. Am letzten Abend geniessen wir der Hitze zum Trotz zusammen ein Original Schweizer Fondue, auch das gibt es hier im Supermarkt.

Mit dem Bus fahren wir wieder zurück nach Port Klang, wo der Brummi ankommen soll. Das Bangen geht aber weiter, es wird klar, an meinem Geburtstag werde ich das Auto nicht mehr sehen. Insgeheim habe ich gehofft, es würde klappen, leider wird das Schiff laut neuesten Berichten erst an diesem Tag einlaufen. Bis dann der Container aus dem Hafen und der Brummi aus dem Container ist wird es noch ein paar Tage dauern. Nach Indien macht es uns Malaysia auch nicht leicht. Beim Zoll erfahren wir, dass wir für die Freigabe einen ICP - International Circulation Permit brauchen. Das bekommt man aber nur in Putrajaya, der neuen Verwaltungshauptstadt, die allerdings gut zweieinhalb Stunden Zugfahrt vom Hafen entfernt ist. Um das Dokument zu bekommen, brauchen wir den ganzen nächsten Tag, denn zuerst müssen wir eine temporäre Autoversicherung abschliessen. Die erste Agentur schickt uns aber weg: „Sorry, wir versichern keine Fahrzeuge die älter als 20 Jahre sind“ lautet die Begründung. Das schockt uns schon etwas, denn ohne Versicherung kein ICP und ohne ICP kommt das Auto nicht aus dem Hafen. Zum Glück finden wir die UniAsia Versicherung, die keine solchen Limits hat. Mit der Versicherung fahren wir nach Putrajaya. Die Regierung von Malaysia hat alle Ministerien aus Kuala Lumpur dorthin übersiedelt. Es ist eine neue, moderne, auf der grünen Wiese gebaute Stadt. Sehr schön zwar, aber die Wege dort sind lang und so brauchen wir viel Zeit zu dem entsprechenden Gebäude zu gelangen. Nach längerem Warten bekommen wir die Bewilligung. Es dauert hier alles etwas länger, denn der Ramadan hat angefangen und ohne Sprit, sprich ohne Essen, mahlen die Mühlen langsam. Der Weg zurück dauert doppelt so lang, vielleicht merkt auch der Zug, dass es Ramadan ist, denn er hält immer wieder auf offener Strecke an. Und so bleibt für ein feines Geburtstagsessen am Abend keine Zeit. „Wird nachgeholt“ sagt Romy, denn auch das Geburtstagsgeschenk gibt es heute noch nicht. Es ist im Auto und wer hätte gedacht, dass wir so lange darauf warten müssen. Wir gehen ins Bett und schlafen mit der Hoffnung ein, vielleicht morgen endlich unser Auto zu sehen.

Auf diesem Weg danke ich allen ganz herzlich für die lieben Geburtstagswünsche. Es hat mich sehr gefreut, dass ihr – trotz der geografischen Entfernung – an mich denkt. Mein Geburtstag war wegen der Probleme mit dem Auto und den entsprechenden Dokumenten ganz schön stressig. Umso mehr hat mich jedes E-Mail gefreut. Vielen lieben Dank.


Samstag, 14. Juli 2012

Tagebuch einer Verschiffung II und ein Nachruf


Wie versprochen der zweite Teil unseres Tagebuches aus Kolkata.

11.07. Mittwoch: Wir laufen in der Umgebung des New Markets. Es macht aber keinen Spass, überall sieht es gleich aus, Dreck, Elend, viel zu viele Menschen, chaotischer Verkehr. Am Nachmittag gehen wir wieder zur Agentur. Die Ladenbesitzer unterwegs kennen uns schon und grüssen und freundlich. Wir bringen die zweite Rate der Anzahlung – wegen dem Limit am Bankomaten können wir täglich nur eine bestimmte Summe beziehen. Dabei erfahren wir, dass das Schiff zwei Tage Verspätung hat. Das hebt unsere Stimmung naturgemäss nicht wirklich.

12.07 Donnerstag: Heute wäre der letzte Tag, an welchem wir den Abflug nach Malaysia noch verschieben könnten. Darum gehen wir wieder zur Agentur um nachzufragen, ob wirklich alles klappt. Die Antwort ist positiv. Ich bin aber sehr skeptisch, denn wir haben drei Monate Indienerfahrung. Später besuchen wir den Botanischen Garten auf der anderen Seite des Flusses. Leider regnet es fast die ganze Zeit. Das grösste Abenteuer ist die Fahrt zurück mit dem öffentlichen Bus.

13.07. Freitag: Der Tag der Wahrheit! Aber zuerst besuchen wir das „Mutter Teresa Haus“. Hier hat Mutter Teresa mit anderen Ordnerschwestern gelebt und ist nun auch hier begraben. Ein Museum ist ihrem Leben und ihrem Werk gewidmet. Es ist sehr eindrucksvoll was diese zierliche Frau geleistet hat. Nur frage ich mich, wie könnte es denn hier aussehen ohne ihr unermüdliches Engagement? Gibt es denn noch eine Steigerung von dem, was wir hier tagtäglich auf der Strasse antreffen? Es ist für uns kaum vorstellbar. Doch wie man die Situation der 1,5 Millionen Menschen in den Slums und in den Strassen Kakotas verändern könnte, dafür haben wir auch kein Rezept und diese Hilflosigkeit schlägt uns aufs Gemüt.

Am Nachmittag geht es wieder einmal mehr zur Agentur. Zwar müssen wir über eine Stunde warten aber dann endlich halten wir alle Dokumente in der Hand. Das Carnet mit dem wichtigen Ausreisestempel und die „Bill of Lading“ im Original. Dieses Dokument ist enorm wichtig, ohne das Papier würden wir den Container mit dem Brummi in Malaysia nicht freibekommen. Wir sind sehr erleichtert, offerieren der ganzen Belegschaft eine Schachtel  indischer Süssigkeiten und verabschieden uns. Falls jemand die Verschiffung von Kolkata aus wagen möchte, können wir diese Agentur „Nilja Shipping“ empfehlen, obwohl auch hier einige Fehler passiert sind. Doch soll es bei anderen Agenturen weit schlimmer sein, wie wir von anderen Reisenden wissen. Leider kann ich dieses Ereignis nicht mit einem Bier feiern, Alkohol gibt es in Kolkata nur in den sehr teuren Restaurants und Bars.

14. 07. Samstag: Genau vor 14 Tagen sind wir in Kolkata angekommen. Heute Abend fliegen wir weiter nach Malaysia. Hoffentlich wird es dort etwas einfacher, das Auto aus dem Hafen zu bringen. Wir werden sehen und berichten. Weil das Schiff zuerst den Hafen von Singapur anläuft dauert die Fahrt nach Malaysia 9 Tage.


Ein Nachruf

Das Abenteuer Indien liegt (fast) hinter uns. Wir haben viel gesehen und erlebt, wir haben in der Hitze Rajastans und der Kälte der hochgelegenen Gebiete Ladakhs gelitten. Wir haben viele Menschen verschiedener Religionen getroffen  und die Probleme Indiens (ein bisschen) näher kennengelernt. Vor allem die Bevölkerungszunahme betrachten wir als die  grösste Herausforderung der Zukunft für das Land. Am meisten hat uns der chaotische und gefährliche Verkehr auf der Strassen zu schaffen gemacht. Wir sind sehr froh, dass wir so viel Glück hatten und ihn ohne Unfälle gemeistert haben. Denn eine Versicherung hat hier niemand – wir auch nicht. Der einzige Schaden war der kaputte Spiegel, aber das war meine eigene Schuld.

Es gibt ein Sprichwort: Indien kann man lieben oder hassen. Wir haben beide Pole kennengelernt. Es war eine aufregende, anstrengende und nachhaltige Erfahrung – aber sie noch einmal machen möchten wir eigentlich in diesem Leben nicht mehr. 

Dienstag, 10. Juli 2012

Tagebuch einer Verschiffung I


Um von Indien nach Südostasien zu gelangen gibt es zurzeit auf dem Landweg keine Möglichkeit. Uns bleibt als letzte Variante, von Kolkata aus nach Malaysia zu verschiffen. Und Verschiffen heisst, das Auto  in einen Container zu verladen und wir selber müssen fliegen. Um das unglaublich undurchschaubare Vorgehen etwas anschaulicher zu machen werde ich es in Form eines Tagebuches schildern.

30.06. Samstag: Wir erreichen Kolkata am frühen Nachmittag. Chaotischer Verkehr, aber es sind die letzten Kilometer in Indien, tröste ich mich. Die Suche nach einem Hotel beginnt. Das Guest House, das uns Jan empfohlen hat, verfügt nur über einen kleinen Parkplatz, sie erlauben uns nicht dort unser Auto abzustellen. Also weitersuchen, denn wir wollen den Brummi nicht auf der Strasse parkieren. Nach der erfolgreichen Suche gehen wir spät essen und dann ist relaxen angesagt. Das Hotel heisst „Dee Empresa“, ist nicht gerade billig, aber sehr sauber und hat Wi-Fi, das werden wir in den nächsten Tagen unbedingt brauchen
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01.07. Sonntag: Heute ist alles geschlossen, wir verbringen die Zeit mit Stadtbesichtigung. Sehenswert ist nicht viel in dieser Stadt und die Entfernungen sind gross. Am meisten gefällt uns das Victoria Memorial, ein Gebäude aus weissem Marmor, noch aus der Kolonialzeit.

02.07. Montag: Es geht los. Wir haben einige Adressen, die klappern wir ab und lernen eine Menge dabei. Es gibt 20 und 40 Fuss (Länge) Container, dann noch HQ, open top and flat rack Container. Bald stellt sich heraus, dass wir wegen der Höhe unseres Autos einen HQ Container brauchen, Und diesen gibt es in Indien nur als 40 Fuss Container. Heisst, die Angelegenheit wird recht teuer. Übrigens macht uns keiner der Agenten einen Kostenvoranschlag. Angeblich setzt sich der Preis aus vielen Komponenten zusammen, die zuerst abgeklärt werden müssen.
Heute hat es angefangen zu regnen. Auch die Temperatur ist um einiges tiefer. Wir haben den Monsun, der übrigens schon zwei Wochen Verspätung hat, nach Kolkata gebracht.

03.07. Dienstag: Noch einmal kontaktieren wir die gestern angesprochenen Agenturen. Wir werden auf Nachmittag vertröstet, dann auf Morgen. Inzwischen passiert etwas Unerwartetes. Ich will meinen Augen nicht trauen als ich in der Nähe von unserem Hotel einen VW Bus mit französischen Kennzeichen auf der Strasse sehe. Wir lassen dort einen Zettel, bis am Abend meldet sich niemand.

04.07. Mittwoch: Der Franzose meldet sich. Er will sein Auto auch verschiffen und ist bereits in Verhandlungen mit einer Agentur. Da wir ja den 40 Fuss Container brauchen in welchen zwei Autos Platz haben, beschliessen wir zusammen zu spannen. Die Agentur macht uns einen interessanten Preis. Wir werden noch in andere Büros gefahren, viele Formulare werden ausgefüllt und unterschrieben. Es scheint wir haben Glück. Der einzige Wermutstropfen ist, dass das Schiff erst am 13. Juli ablegt.

05.07. Donnerstag: Der erste grosse Dämpfer. Die Agentur teilt uns mit, dass es aus administrativen (rechtlichen?) Gründen nicht möglich ist zwei Autos von verschiedenen Besitzern in einen Container zu laden. Indische Gesetze und Vorschriften folgen einer anderen Logik. Der Traum vom günstigen Preis schwindet dahin, wir müssen den 40 Fuss alleine berappen. Es sind USD 1700, alle Gebühren auf der indischen Seite sollen in diesem Preis enthalten sein. Auch buchen wir den Flug nach Kuala Lumpur für den 14.07., denn eine Flugbestätigung will die Schiffsagentur auch noch von uns.

06.07. Freitag: Der zweite Dämpfer. Das, was wir von anderen Overländern immer wieder gehört haben, nämlich, dass die Zöllner in Kolkata sehr korrupt sind, bewahrheitet sich. Ob das die Agentur gewusst oder erst jetzt erfahren hat, bleibt fraglich. Mit dem Schmiergeld sind die Zöllner gar nicht kleinlich. Gut USD 450 verlangen sie für ihre Diente – eigentlich nur einen Stempel im „Carnet de Passage“, ein Dienst, der bei der Ausreise an einer Landesgrenze noch nie etwas gekostet hat. Das sind in Indien mehr als zwei Monatslöhne eines Facharbeiters. Wir ärgern uns grün und blau. Das Schlimmste daran – wir können dagegen nichts machen, denn der Seeweg ist die einzige Möglichkeit unser Auto aus dem Land zu bringen. Als Alternative käme nur die Ausreise nach Pakistan in Frage und das ist uns zu gefährlich. Das alles wissen die Zöllner natürlich und so können sie ihre Forderungen in die Höhe schrauben.

07.07. Samstag: Heute sind wir genau eine Woche hier. Zuerst scheint nicht viel zu passieren, dann bekommen wir die Nachricht, dass heute das Auto verladen wird. Mit den Leuten von der Agentur fahren wir etwa eine halbe Stunde zum Hafen. Der Container steht bereit. Wir haben grosse Bedenken, ob wir hineinfahren können, denn die Agentur hat mit der Gesamthöhe des Containers gerechnet, aber nicht bedacht, dass der Rahmen für das Einfahrtstor einiges niedriger ist. Ich montiere die Dachluke ab um ein paar Zentimeter zu gewinnen, dann machen wir den ersten, vorsichtigen Versuch. Weitere Massnahmen wären die Luft aus den Reifen rauszulassen. Doch es klappt, der Brummi steht in dem grossen Container ziemlich verloren. Wir lernen als weiteres Wort „lashing“ kennen. Drei Arbeiter mit einem Aufseher kommen um das Auto im Container mit dicken Stahlseilen festzuschnüren. Denn ein Container kann auf dem Schiff selber oder beim Verladen an den Kranseilen bedenklich schwanken. Ich will mir nicht auszumalen wie es ausgehen würde, wenn dabei das Auto anfangen würde im Container hin und her zu rollen. Die Arbeit zieht sich bis in die späten Abendstunden. Nur das vorgesehene Benzinabpumpen wurde „vergessen“, wir reklamieren nicht, denn wir haben den Tank fast halb voll. Der letzte Blick und ein Foto, dann wird die schwere Containertüre geschlossen und versiegelt. Ob wir den treuen Brummi je wiedersehen? Am Montag soll der Container in den Hafen zur Zollinspektion gefahren und dann am 12. Juli auf das Schiff verladen werden. Wenn es alles klappt… Der Weg zurück in die Stadt gestaltet sich sehr schwierig, denn in der Hafennähe ist zu dieser Stunde kein Taxi aufzutreiben.


08.07. Sonntag: Da heute nicht gearbeitet wird hoffen wir auf einen ruhigen Tag. Wir machen Tempelbesichtigungen und eine Bootsfahrt auf dem Ganges.

09.07. Montag: Zuerst fahren wir zum thailändischen Konsulat für das Visa, denn an der Grenze gibt es nur eine Bewilligung für 15 Tage. Beim Mittagessen lernen wir eine Gruppe junger Mädchen aus Spanien kennen. Sie sind für einen Monat hier um Freiwilligenarbeit im „Mutter Theresa Haus“ zu machen. Nachmittag wieder Besuch bei der Agentur. Wir bekommen die Rechnung und gleichzeitig sollen wir eine Unbedenklichkeitsbestätigung des Automobilclubs von Indien vorlegen. Dieser Klub hat wirklich mit uns nicht zu tun, so lehnen wir ab.

10.07. Dienstag: Wir holen die Pässe beim thailändischen Konsulat ab. Wenigstens etwas hat geklappt. Allerdings bringt der Taxifahrer es fertig 146 Rupien auf den Taxameter zu fahren, wo es normalweise um die 90 Rupien kostet. Bei der Rückfahrt machen wir einen Fixpreis von 100 Rupien ab. Beim Hotel sind auf dem Taxameter allerdings nur 55 Rupien. Kaum im Hotel kommt den Anruf von der Agentur, wir sollen die Pässe bringen, der Zoll will die Originale mit den Kopien vergleichen. Es scheint, die Beamten nehmen ihre Arbeit sehr ernst. Kaum haben wir das erledigt und sind wieder im Hotel, folgt der nächsten Anruf von der Agentur. Wir müssen dringend in den Hafen fahren, denn die Leute können die Chassis- und Motornummer nicht finden. Also ab mit dem Taxi zum Hafen. Ein grosses Problem stellt sich uns in den Weg. Es ist in Indien Ausländern nicht erlaubt einen Hafen zu betreten. Also muss eine Spezialbewilligung her. Das braucht seine Zeit und längere Diskussionen, immer höhere Chefs werden geholt. Dann dürfen wir das Gelände betreten. Interessanterweise braucht Romy aber keine Bewilligung, sie kann einfach mitkommen. Der Container wird geöffnet und ich sehe den Brummi wieder – so schnell habe ich es wirklich nicht erwartet. Nach dem Vergleichen der beiden Nummern dürfen wir wieder gehen. Noch ist das Auto nicht durch den Zoll und bis es auf dem Schiff ist kann noch viel passieren. Die Fortsetzung dieser Story folgt sicher am nächsten Tag. Mehr davon im Teil II.