Mittwoch, 18. Juni 2014

Manche mögen es heiss

Wir verlassen San Francisco im Nebel über die Bay Bridge in Richtung Osten und durchfahren fruchtbare Ebenen mit Zitrusplantagen und Mandelbäumen. Es ist erstaunlich, wie schnell sich das Wetter verändern kann. Kaum 50 Kilometer gefahren, haben wir blauen Himmel und angenehme Temperaturen. Als ersten Nationalpark besuchen wir den Yosemite-NP. Er liegt in nicht allzu grosser Entfernung von San Fransisco und wird deshalb entsprechend gut besucht. Die Hauptattraktion hier sind die hohen Granitwände auf welchen sich zahllose Kletterer versuchen. Uns wird schwindlig, alleine vom Zuschauen.

Die Strasse steigt zu einem Pass auf knapp 3000 Metern Höhe. So hoch waren wir mit dem Brummi seit Ladakh nicht mehr. Dann folgt eine steile Abfahrt hinunter zum Mono Lake, wobei die Bremsen vom Wohnmobil von Janine und Rafi fast zum Glühen kommen. 

Der Mono Lake ist ein Salzsee, der beinahe ausgetrocknet wäre, weil fast alle Zuflüsse des Sees für die Wasserversorgung von Los Angeles umgeleitet wurden. Dank engagierten Umweltschützern ist diese Gefahr nach einem langen Kampf nun abgewendet. Aber es wird noch  mindestens 20 Jahre dauern bis der See wieder seine ursprüngliche Grösse erreicht hat. In Ufernähe stehen Salzsäulen, die durch kalziumhaltige Quellen entstehen. Einen weiteren Abstecher machen wir zur Ghost Town Bonie, einer verlassenen Goldgräberstadt in der Wüste. Durch das trockene Klima und die Abgeschiedenheit ist viel aus der alten Zeit erhalten geblieben.
Holzhäuser säumen die Hauptstrasse, alles ist noch vorhanden – Kirche, Hotel, Schule, Werkstätte und sogar die Klohäuschen im Garten hinter jedem Haus. In den Häusern stehen Möbel und Haushaltsgegenstände, so als ob die Bewohner erst gestern ausgezogen wären. Nur eine dicke Staubschicht lässt ahnen, dass seither schon fast 100 Jahre vergangen sind. Alles ist noch da, nur die Stoffe und Matratzen haben die Mäuse zerfressen. In der Schule ist die Tafel noch mit Aufgaben für die Schüler beschriftet. Schwere rostige Bergbaumaschinen stehen verlassen im Gelände. Wir fragen uns, wie man sie mit den damals vorhandenen Mittel überhaupt hierher gebracht hat. Sogar eine Tankstelle mit antiken Zapfsäulen ist vorhanden. Leider wird meiner Bitte, den Brummi vor dieser Kulisse zu fotografieren, abgelehnt. „Dazu braucht es einen Spezialpermit, die Erledigung dauert mindestens zwei Wochen“, teilt mir eine Rangerin mit. Und natürlich ist sie „sorry“.

Und dann wird es heiss, wirklich heiss, wir fahren ins Death Valley, in das Todestal. Bekanntlich ist es einer der heissester Orte auf der Welt, was wir auch bald zu spüren bekommen. Mit jedem Meter den wir tiefer kommen, steigt die Temperatur. Eigentlich darf man hier mit einem gemieteten Wohnmobil nicht fahren (man ist im Falle eines Falles nicht versichert), doch Janine und Rafi möchten sich diesen Nationalpark nicht entgehen lassen. Uns gegenüber haben sie den Vorteil einer Klimaanlage im Auto, auch wenn empfohlen wird, diese bei Steigungen auszuschalten, um den Motor vor Überhitzung zu schützen. Wir aber müssen leiden. Im Vergleich dazu war es in Iran oder Rajastan mit 40 – 44 Grad noch moderat. Unsere Hauptbeschäftigung ist Trinken.


Die Sonne prallt unbarmherzig auf uns herab und kein Windhauch rührt sich. Das alles hält Romy von der Suche nach guten Fotomotiven nicht ab, aber als sie mit hochrotem Kopf zum Auto zurückkehrt, nahe am Kollaps, hat auch sie genug. Wir passieren den Schild „Sea Level“ und die Strasse senkt sich noch weiter. Bei „Badwater“, dem tiefsten Punkt des Tales, zeigt der GPS 83 Meter unter dem Meeresspiegel. So tief waren wir auf unserer bisherigen Reise noch nie. Zu den heutigen Rekorden kommt noch die Temperatur: das Thermometer zeigt am Nachmittag 51,2 Grad. Nur die Landschaft belohnt uns für diese Strapazen. Sanddünen, farbenprächtige Hänge und Canyons, Berge und Salzebenen. Eigentlich wäre hier wandern angesagt, aber bei dieser Hitze wäre das purer Leichtsinn. Die Parkverwaltung warnt eindringlich davon ab. Der Name – Death Valley – geht auf eine Gruppe Siedler zurück, die eine Abkürzung auf dem Weg nach Kalifornien suchten und nur mit grösster Mühe und immensen Verlusten dem Tode entronnen sind.

Nicht weit von diesem unwirtlichen Ort liegt Las Vegas. Dort glitzern nicht die Salzflächen in der Sonne sondern die Fassaden der modernsten Hotels - wie eine Fata Morgana in der Wüste. In einem solchen Palast werden wir nun ein paar Tage wohnen. Es heisst Luxor und ist in Form einer riesigen Pyramide gebaut, der Eingang liegt zwischen den Pranken einer übergrossen Sphinx. Alles ist im altägyptischen Stil, oder was sich die Amerikaner darunter vorstellen, eingerichtet. Wie gross das Hotel ist zeigt die Tatsache, dass es 6500 Zimmer hat. Der Mittelpunkt ist, wie bei jedem Hotel in Las Vegas, ein Kasino mit schier unendlichen Reihen von Spielautomaten.11‘000 Quadratmeter misst die Spielhölle. Wir bekommen eine Suite im 21.-sten Stockwerk mit zwei Zimmern und einem Whirlpool (mitten im Schlafzimmer) mit Aussicht auf die Stadt - wir, die sonst nur ein paar Quadratmeter im Brummi bewohnen! Die Zimmerpreise in Las Vegas sind relativ günstig, denn damit ködert man die Leute für die Spielkasinos. Es war ein Geschenk von Janine und Rafi, noch einmal herzlichen Dank für diesen Hauch von Luxus.



Am Abend geht es auf die Piste, die hier Strip heisst, eine Strasse, besser gesagt ein Boulevard, gesäumt von den feinsten Hotels. Es gibt ein Viertel das Venedig nachempfunden ist, natürlich fehlt der Markus Platz nicht, ein anderes, das wie ein Stück Paris - inklusive Eiffelturm, aussieht. Auch New York mit der Freiheitstatue fehlt nicht. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Uns hat aber am besten das Bellagio mit einem grossen künstlichen See gefallen. Alle15 Minuten kann man hier zum Takt der Musik wunderschön arrangierte Wasserspiele bewundern - wirklich einmalig. Und das alles mitten in der Wüste. In den unzähligen Casinos rollen die Dollars, aber alles geht sehr gesittet und ordentlich zu. Auch wir lassen die Dollars rollen, allerdings nicht beim Spiel, sondern in der Luft. Alle zusammen fliegen wir mit einem Hubschrauber über den Hoover Damm, Lake Mead und Grand Canyon. Tief im Canyon landen wir sogar und es wird uns ein Apéro mit Sekt offeriert. Etwa so wie Romy mit Vorliebe sagt: „Nobel muss die Welt zugrunde gehen“. Ja, man leistet sich ja sonst (fast) nichts.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Mit einem Bein im Gefängnis

Unser Treffen mit Janine und Rafi bei der Vermieterstation El Monte RV in Los Angeles hat geklappt - sie haben inzwischen ein riesiges Wohnmobil übernommen. Riesig ist wörtlich zu nehmen, über neun Meter Länge und drinnen Platz ohne Ende, mindestens so viel wie vier Brummis im normalen Fahrzustand. Ist das Auto einmal parkiert, gibt es noch mehr Platz, denn man kann auch noch die Seitenwände ausfahren, natürlich alles elektrisch auf Knopfdruck. Die Ausstattung lässt keine Wünsche übrig – Klimaanlage, komplette Küche mit Herd und Mikrowelle, Kühlschrank mit Gefrierfach, Warmwasser, ein Badezimmer mit Dusche und WC, Generator, und nicht zu vergessen das romantische Schlafzimmer und, und, und. Da können wir nur neidisch leer schlucken.


Doch fahren möchte ich dieses Ungetüm unter keinen Umständen, da beneide ich Rafi nicht. Denn bald werden auch die Nachteile sichtbar. Fahren ginge vielleicht noch gut, aber man muss ja das Auto auch parkieren können. Auch wenn die amerikanischen Parkplätze gross bemessen sind, braucht dieses Auto mindestens zwei davon. Der grösste Nachteil zeigt sich aber erst an der Tankstelle, der bullige Motor genehmigt sich weit über 20 Liter für 100 Kilometer. Das spürt man, auch wenn hier das Benzin umgerechnet zwischen 1.10 und 1.20 CHF pro Liter günstig ist.

Nun geht es los, zuerst zum Einkaufen denn die leeren Schränke wollen gefüllt werden und dann nichts wie raus aus der Stadt. Doch diese ist riesig. Die Stadtautobahn mit starkem Verkehr will kein Ende nehmen. Unser erstes Ziel ist Venice Beach, dann Santa Monika. Zum Baden ist das Wasser allerdings zu kühl, wir belassen es dabei die Füsse im Pazifik einzutauchen. Dann fahren wir weiter, angeblich die schönste Strasse Kaliforniens, die die Nummer 1 bekommen hat, der Küste entlang in Richtung Norden nach San Francisco. Einige Abschnitte sind wirklich spektakulär, dicht am Meer mit steilen Felsen, andere entpuppen sich leider als eine gewöhnliche Autobahn.


Auch das Wildleben können wir beobachten, zum Beispiel Seelöwen, See-Elefanten und viele Vögel wie Pelikane, Geier, Kormorane und Möwen. Am lustigsten sind aber die kleinen Erdhörnchen, sie scheinen überall anwesend zu sein.












Dann stürzen wir uns in den Stadtverkehr von San Francisco. Die Stadt ist bekanntlich auf hügeligem Gelände gebaut und darum sind die Strassen teilweise sehr steil. In eine solche weisst uns das GPS. Erschwerend kommt hinzu, dass man hier mit Vorliebe auf wenig befahrenen Kreuzungen einfach an jeder Einmündung ein Stoppschild aufstellt. So ist man gezwungen in jedem Fall anzuhalten, auch wenn kein anderes Auto weit und breit zu sehen ist. Rafi hat echt Mühe mit dem Wohnmobil, weil der überlange Überhang bei den unheimlich steilen Strassenübergängen am Boden streift. In San Francisco haben wir ein Motel gebucht, die Campingplätze liegen weit weg von der Stadt entfernt. Wir haben Glück, dass wir für das grosse Wohnmobil einen Parkplatz beim Motel bekommen. Kein Glück haben wir aber mit dem Wetter, die Golden Gate Brücke hüllt sich im Nebel ein, der Himmel ist grau und es ist dank der starken Briese vom Meer ungewöhnlich kalt. Um die Stadt kennenzulernen erstehen wir einen Tagesticket für den „Hop on – Hop off“ Bus. Wie der Name sagt, befährt der „oben ohne“ Doppeldeckerbus auf einer Rundstrecke die Stadt. An den Haltestellen kann man aussteigen, die Umgebung besichtigen dann auf den nächsten Bus warten und die Reise fortsetzen. Sogar über die Golden Gate Brücke fährt der Bus bis zum nördlichen Aussichtspunkt. Leider sind beide Fotografinnen enttäuscht, die Brücke im Nebel sieht einfach nicht so schön wie auf einer Postkarte.

Am nächsten Tag steht der Ausflug nach Alcatraz, der berühmt-berüchtigten Gefängnisinsel für Schwerstkriminelle, mitteln in der San Francisco Bucht, auf unserem Programm. Janine hat diese Tour bereits in der Schweiz gebucht und das war gut so, alle Touren sind nämlich für die nächsten drei Tage ausgebucht. Die Überfahrt zu der Insel dauert etwa 15 Minuten. 
Das Gefängnis wurde 1963 geschlossen und seitdem ist es eine Touristenattraktion unter Nationalparkverwaltung. Denn ein Gefängnis von Innen zu besichtigen scheint auf einen unbescholtenen Bürger einen besonderen Reiz auszuüben, besonders wenn er dazu schauerliche Geschichten zu hören bekommt. Wie zum Beispiel die von Al Capone, dem bekannten Mafiaboss, der hier inhaftiert war. Oder die verschiedenen, teilweise spektakulären Ausbruchsversuche, die später sogar verfilmt wurden. Für uns ist das Beste an Alcatraz die Lage mit der wunderbaren Aussicht auf die Skyline von San Francisco, die Golden Gate und die Bay Brücken. Ob die Gefangenen auch so viel Freude daran hatten ist allerdings zu bezweifeln.


Mittwoch, 4. Juni 2014

Anfang mit Problemen

Wir sitzen bereits im Flugzeug der Swiss mit Ziel Los Angeles und der Kapitän meldet: „boarding completed“. Mental stellen wir uns auf den langen Flug ein, 13 Stunden sollen wir unterwegs sein. Doch gut eine halbe Stunde geschieht gar nichts, dann meldet sich der Kapitän wieder: „Wir haben Probleme mit Triebwerk Nummer drei, es scheint, dass die Treibstoffzufuhr undicht ist, wir müssen die Ursache finden“. Es dauert eine weitere geschlagene Stunde bis fest steht, dass das Problem nicht behoben werden kann. Wir müssen das Flugzeug wechseln. Das geht natürlich nicht sofort. So können wir erst mit vier Stunden Verspätung endlich abheben. Dafür ist der Flug sehr ruhig und die Einreiseformalitäten in Los Angeles gehen zügig von statten. Ein Taxi bringt uns zum einem Motel in Norwalk, einem Teil von der Grossagglomeration Los Angeles, wo wir übermüdet ins Bett fallen.

Am Morgen ist es bewölkt. Das passt gut, denn ich muss fast eine Stunde zu Fuss zu der Spedition laufen, wo ich den Brummi vor gut fünf Monaten zurückgelassen habe. Dort steht er noch immer wie ich mit grosser Erleichterung feststelle. Allerdings ist die riesige Halle mit Oldtimerautos vollgestellt, die zum Export bestimmt sind, vorwiegend sind es alte Porschetypen. Es muss zuerst eine Gasse zum Brummi, der ganz hinten in einer Ecke steht, freigemacht werden. Dazu bietet der Chef das gesamte Büropersonal auf. Einige der Oldtimer kann man noch starten, andere müssen von Hand zur Seite geschoben oder mit einem Hubstapler weggezogen werden. Nach gut einer halben Stunde harter Arbeit ist dann der Weg frei. Der Brummi lässt sich zwar etwas Zeit, dann aber springt der Motor an und wir verlassen die Halle. Als Dank verteile ich an alle Beteiligten Schweizer Schokolade. Den Rest des Tages verbringen wir mit Einkaufen, Auspacken und Vorbereitungen für die Abfahrt am nächsten Tag.

Zuerst fahren wir nach Riverside, etwa 50 Meilen von Los Angeles entfernt. Das ganze Gebiet ist ein einziger Siedlungsbrei, auf den teils achtspurigen Autobahnen herrscht ein immenser Verkehr. An diese Art Auto zu fahren müssen wir uns noch gewöhnen. Das Städtchen Riverside hat ein hübsches Zentrum mit Gebäuden aus der Zeit, wo Kalifornien noch spanisch war. Besonders das „Mission Inn“, stilvoll mit antiken Möbeln und Gemälden ausgestattet, gefällt uns sehr. Dann sind wir aber schon in der Wüste, das Thermometer im Auto zeigt bald 40 Grad und mehr. In Palm Springs besuchen wir den „Indian Canyon“ mit seinen grünen Palmen. Der Kontrast zu der trockenen Umgebung könnte nicht grösser sein…………….



Spät am Nachmittag erreichen wir den nördlichen Eingang des „Joshua Tree National Parks“. Zuerst erstehen wir für 80 $ den Jahrespass für alle US- Nationalparks. Dieser Park hier wurde nach dem in grosser Zahl wachsenden Wüstenbaum, dem Joshua Tree, benannt. Die Gegend ist wüstenhaft mit vielen runden Granitfelsen. In einem einfachen Campingplatz verbringen wir unsere erste Nacht in Amerika im Auto. Wie schon gesagt, es ist heiss hier und das erschwert die Wanderungen am nächsten Tag erheblich. Trotzdem nehmen wir einige von den markierten Wanderwegen unter die Füsse. Aber ohne genügend Wasser mitzunehmen wäre es leichtsinnig.



Der abrupte Übergang von den frühlingshaften Temperaturen in der Schweiz zur Wüstenhitze Kaliforniens macht uns zu schaffen. Die wilde Landschaft entschädigt uns aber für die Strapazen. Mit einem unerwarteten Problem haben wir bei der Rückkehr zum Auto zu kämpfen. Die wilden Bienen (oder sind es Wespen?) sind hier besonders aggressiv. Zu dieser Zeit brauchen sie anscheinend Wasser und in der Wüste ist ihnen alles recht. Sie finden etwas Feuchtigkeit im Ablaufrohr unter dem Auto und sie verteidigen den Platz so, das wir beim Einsteigen sehr aufpassen müssen, nicht angegriffen zu werden. Beim Fahren werden wir die meisten los und die wenigen, die trotzdem im Rohr geblieben sind, spülen wir mit Wasser runter. Sorry, ihr habt uns auch nicht gefragt, ob ihr bei uns wohnen könnt.



Nun steht die Fahrt zurück nach Los Angeles an. Nicht dass wir das Fahren auf den überfüllten Stadtautobahnen besonders lieben, aber wir haben eine Verabredung in einer Autovermieter Firma. Romys Tochter Janine mit ihrem Freund Raphael übernehmen dort heute ein Wohnmobil. Zusammen mit uns werden sie den Westen Amerikas bereisen. Es wird für uns wieder eine neue Erfahrung sein auf die wir uns freuen.

Dienstag, 20. Mai 2014

Es geht los...

Am 27. Mai 2014, also in einer Woche, fliegen wir nach Los Angeles. Der Brummi wartet hoffentlich gut behütet auf uns. Alles andere im nächsten Beitrag, wir werden euch wie gewohnt informieren. 

Freitag, 24. Januar 2014

Rettet den Brummi!

Es ist schon mehr als ein Monat her, da haben wir in Australien den Brummi gefesselt in ein Stahlgefängnis eingesperrt - in einen 40 Fuss Container. Anfangs Dezember wurde dieser auf ein Containerschiff verladen und seitdem hat er den gesamten Pazifikozean überquert. Am 2. Januar sollte er im Hafen von Los Angeles eintreffen. Da es nun um seine Befreiung geht, starte ich (Miro) eine Rettungsexpedition und fliege einen Tag später mit einem direkten Swiss Flug dorthin. Ich bin nicht zu spät, da das Schiff drei Tage Verspätung hat. Das überrascht mich aber nicht, schliesslich ist es schon unsere dritte Verschiffung. Und jedes Mal waren Verspätungen und viel Stress angesagt und diesmal wird es wahrscheinlich auch nicht anders sein. Aber ich sehe es positiv, ich kann dabei neue Gegenden, wie zum Beispiel Long Beach mit dem bekannten Passagierschiff „Queen Mary“, das wie die Titanic mit drei Schornsteinen aussieht, kennenlernen. Auch ein russisches U-Boot liegt hier vor Anker. Ich frage mich, wie dieses hierher geraten ist. Die Antwort ist aber einfach – die Amerikaner haben es den Russen abgekauft. Nun kann man es gegen Eintrittgeld besichtigen. Das Containerschiff mit Brummi muss auch irgendwo hier im Hafen liegen, denn es ist heute am Sonntag eingelaufen. Wo es liegt, kann ich aber nicht heraus finden. Der Handelshafen ist riesig und nicht einmal die gebuchte Hafenrundfahrt bringt mich der Sache näher.

Nun ist aber der Brummi da, meine Alpträume, vom über Bord gefallenen Container, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. Jetzt kommt aber der US-Zoll ins Spiel und der lässt sich Zeit – sehr viel Zeit, Tage vergehen ohne eine Nachricht. Der Agent tut sein Bestes aber die Behörde lässt sich nicht hetzen. Alle möglichen Schikanen und Komplikationen kommen mir in den Sinn, denn die Ämter sind bekanntlich erfinderisch. Doch das einzige, was ich machen kann, ist warten. Vier Tage nach der Ankunft des Schiffes kommt das erste Rauchzeichen. Spät am Abend bekomme ich die Nachricht, dass der Zoll den Autoschlüssel haben möchte. Früh am Morgen bringe ich das Gewünschte in den Hafen. Bald danach, oh Wunder, eine weitere Nachricht, der Zoll hat die Inspektion abgeschlossen. Gefreut habe ich mich aber zu früh, denn jetzt verlangt der Zoll für seine Tätigkeit Gebühren. Doch mit dem Ausstellen der Rechnung lassen sich die Beamten Zeit. Freitagnachmittag geht vorbei, am Wochenende wird sicher nicht gearbeitet. Also am Montag, vielleicht…

Ich nutze die Zeit und fahre am Wochenende in die Stadt, oder wie es hier heisst nach „downtown LA“. Um mich nicht mit der Weg- und Parkplatzsuche zu belasten, nehme ich einen Metrobus, der freundlicherweise gleich neben meinem Motel eine Haltestelle hat. Doch die Fahrt dauert nicht lange. An der übernächsten Haltestelle meldet ein Passagier der Busfahrerin, im hinteren Teil des Buses befinde sich ein herrenloser Rucksack. Sofort wird Alarm geschlagen und nach ein paar Minuten sind vier Polizeiautos da. Wir müssen den Bus schleunigst verlassen und in sicherer Entfernung auf einen Ersatzbus warten. Nach etwa 20 Minuten kommt eine weitere Polizeieinheit an, die ausgerüstet mit Panzerwesten und begleitet von einem Hund, sich sofort an die Untersuchung des verdächtigen Gepäckstückes macht. Mehr kann ich nicht berichten -  der Ersatzbus kommt an und wir fahren weiter.

In der Stadt besichtige ich zuerst Hollywood mit dem „Walk of Fame“ und dem „Chinese Theatre“ vor dem sich einige berühmte Filmdarsteller mit Fuss- und Handabdrücken im frischen Beton verewigt haben. Laienschauspieler, gekleidet in bekannten Filmkostümen, lassen sich gerne für ein paar Dollars mit und von Touristen fotografieren. Später fahre ich in das Zentrum mit seinen vielen Wolkenkratzern. Auffallend ist die „Walt Disney Concert Hall“ wegen der besonderen Architektur aus Edelstahl. Das Zentrum LA macht einen etwas verlassenen Eindruck, heute am Sonntag sind hier nur wenige Leute unterwegs.

Am Montag passiert wiederrum nichts. Langsam werde ich nervös, denn in vier Tagen geht mein Rückflug in die Schweiz. Am Dienstag wird mir dann endlich die Rechnung für die Inspektion vom US Zoll präsentiert. Eigentlich nicht vom Zoll, denn die Inspektion macht eine von der Regierung autorisierte Privatfirma im Auftrag der Zollbehörden. Ich traue meinen Augen nicht, sie verlangen für die Untersuchung sage und schreibe 1300 US$ - unglaublich aber wahr. Nun bleibt mir nichts anderes übrig als zu zahlen, sonst wird das Auto nicht frei gegeben. Wer „A“ sagt, muss auch „B“ sagen, ist der Kommentar von Romy als ich ihr von dieser Forderung erzähle. Da muss ich in den saureren Apfel beissen. Genau 9 Tage nach der Ankunft des Schiffes fahre ich den Brummi von der Spedition zum Motel. Es sind die ersten Kilometer oder besser gesagt Meilen auf den Strassen Amerikas.  Später stelle ich fest, dass der Zoll das Waschpulver, das wir von Australien noch im Bus haben, konfisziert hat. Nur die leere Packung ist noch da. Sicher ist sicher, es könnte ja „sugar“ sein, haben sie sich wohl gedacht.



Die restlichen Tage bis zu meinem Rückflug in die Schweiz verbringe ich mit kleinen Unterhaltsarbeiten am Auto. Dann bringe ich den Brummi in eine Lagerhalle. Dort wird er, hoffentlich gut behütet, darauf warten, bis es etwa im Mai heisst: „On the Road Again“.

Mittwoch, 15. Januar 2014

Warum Seidenstrasse?

„Warum heisst euer Projekt immer noch Seidenstrasse, wenn ihr doch schon längst auf einem anderen Kontinent seid“, werden wir ab und zu gefragt. Hier der kurze Versuch einer Erklärung. Die ersten zwei Jahre sind wir wirklich auf der legendären Seidenstrasse gereist. Sie führte bekanntlich im Mittelalter von China nach Europa - mit vielen Verzweigungen. Auf ihr wurde neben anderen kostbaren Gütern Seide transportiert. Darum hat sich später der Name „Seidenstrasse“ eingebürgert. Zwei Jahre planten wir dort unterwegs zu sein, wo schon Marco Polo seine Fussstapfen hinterlassen hat. Romy verdächtigt mich, dass ich schon immer mehr im Sinn hatte, das stimmt aber nicht. Klar geisterte in meinem Hinterkopf herum, es wäre „nice to have“ noch ein wenig mehr zuzulegen, jeder hat ja schliesslich seine Träume. Richtig ist aber, dass ich es dem Brummi überlassen habe, ob er es schafft. Er hat sich sehr tapfer gehalten und so stand einer Weiterfahrt eigentlich nichts im Weg. Übrigens, als wir letztes Jahr die Reise in Australien beendet haben, stand er noch immer fest mit allen vier Rädern im Leben.

Klar, könnte man einwenden, wir hätten den Namen ändern können. Wir fanden es aber nicht abwegig, den Namen „Seidenstrasse“  bei zu behalten. Denn hätte Marco Polo damals gewusst, dass es neben Europa und Asien noch Australien und Amerika gibt, wäre er sicher auch dorthin gereist, davon sind wir überzeugt. Und dann würde im Buch von seinen Reisen weit mehr stehen als es heute der Fall ist. Ausserdem haben wir gefunden, dass der Name „Seidenstrasse“ irgendwie geheimnisvoll  klingt. Und wir hoffen, ihr findet das auch.


Und jetzt die gute Nachricht: Heute, neun Tagen sind es her seit der Brummi im Hafen von Los Angeles angekommen ist, konnte ich ihn in Empfang nehmen. Wie es dabei hin und her ging wird im nächsten Blog stehen.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Alles hat ein Ende ???

Bevor wir Tasmanien verlassen, möchten wir noch ein sonderbares Tier näher kennenlernen. Wir haben Stunden in verschiedenen Nationalparks verbracht, still sitzend an Wasserlöchern und Bächen, wo sich dieses Tier laut Parkverwaltung aufhalten sollte. Vergeblich, wir haben kein einziges gesehen. In Tasmanien sollte dies möglich sein, allerdings leider nicht in der freien Natur, sondern in einer Aufzuchtstation. 

Diese befindet sich nicht sehr weit von einem Grindelwald entfernt (ja, diesen Ortsnamen gibt es in Tasmanien auch). Da fahren wir nun also hin. Das besondere Tier heisst Platypus, auf deutsch Schnabeltier. Es ist eine der sonderbarsten Mischungen, die die Natur je zustande gebracht hat. Den Entdeckern kam sie wie ein zoologischer Scherz vor. Das warmblütige, felltragende Tier sammelt mit seinem Entenschnabel Nahrung unter Wasser, schwimmt mit Hilfe der Schwimmhäute an den Füssen und steuert mit seinem Biberschwanz. Die Männchen sind mit einem Giftzahn ausgestattet. Die Weibchen legen wie Echsen Eier, die Jungen werden aber mit Milch aufgezogen. Einige Wissenschaftler betrachten den Platypus als „Prototyp“ der Säugetiergattung. In der geschlossenen Anlage, wo die Tiere in riesigen Aquarien leben, können wir sie sehr gut beobachten und zwar auch unter Wasser, was in der freien Natur nicht gut möglich wäre. Eine junge Frau, die, wie es scheint, in diese Tiere richtig vernarrt ist, führt uns durch die Anlage und erzählt uns viel Interessantes über diese Lebewesen und auch über Echidnas (Schnabeligel), die wir in der freien Natur aus nächster Nähe öfters beobachten konnten.

Nun ist es aber Zeit Tasmanien zu verlassen. Die Überfahrt ist sehr ruhig und am Morgen des nächsten Tages sind wir zurück in Melbourne.


Und es ist wieder einmal sehr heiss, das Thermometer zeigt 36 Grad, so dass wir nach den kalten Tagen in Tasmanien richtig ins Schwitzen kommen. Das ändert sich aber schlagartig, am zweiten Tag haben wir nur gerade noch 15 Grad. Wie uns die Eiheimischen berichten, sind solche Temperatursprünge in Melbourne ganz normal und kommen oft vor. Wir sind froh, dass wir alle Arbeiten am Auto am ersten Tag erledigen konnten: den Brummi gründlich waschen, aufräumen und alles packen was wir nach Hause mitnehmen wollen. Ja, traurig aber wahr, unser Aufenthalt in Australien geht zu Ende. 

Der Brummi wird wieder in einen Container gefahren und fest verschnürt, die schwere Tür geht zu und wird versiegelt. Ob und wann wir ihn wiedersehen? Romy hält noch die Container- und Siegelnummer mit ihrer Kamera fest, für alle Fälle. Aber eigentlich ist es für uns bereits Routine, es ist ja schon die dritte Verschiffung.

Zwei Tage bleiben uns noch um Melbourne zu erkunden. Rund um die Innenstadt können wir kostenlos mit einem Oldtimertram fahren. Wir bewundern den sehr schönen Botanischen Garten und das Stadion, wo Roger Federer seine Erfolge beim Melbourne Open feiern konnte.


Zu besichtigen gibt es weiter noch ein paar historische Gebäude, China Town, Captains Cook Geburtshaus, das man in Einzelsteine zerlegt aus England gebracht hat und die riesigen Markthallen vom Victoria Market, wo wir noch die letzten Souvenirs erstehen.


Dann fliegen wir wieder, ganze 25 Stunden lang über Doha nach Zürich. Das sind die längsten Stunden unserer Reise. Übermüdet kommen wir an. Wir sind wieder zu Hause. Und der Brummi? Habe ich es noch nicht gesagt? Er wird nach Nordamerika verschifft. Wir haben uns entschieden, unsere Seidenstrasse dorthin zu verlängern. Im nächsten Jahr, Fortsetzung folgt……..