Freitag, 12. Juli 2013

Westwärts

Bekanntlich besteht Australien aus sechs Bundesländern. Und wie in der Schweiz die Kantone, hat auch hier jedes Bundesland seine eigene Regierung und sein Parlament, also auch eigene Gesetzgebung. Wir haben nun den nördlichen Teil des Northern Territory verlassen und fahren Richtung Westen nach Western Australia. Die Grenze überrascht uns mit einer strengen Kontrolle. Nein, Ausweise und dergleichen interessieren niemand. Es ist wieder die Quarantäne und die interessiert sich für Obst, Gemüse, Honig und noch ein paar andere Dinge. Wir haben es gewusst und entsprechen eingekauft. Auch hat Romy kurz vor der Grenze aus allem Gemüse ein ausgezeichnetes Mittagessen gezaubert. Trotzdem muss sie sich von zwei restlichen Kartoffeln und einer Zwiebel trennen. Sie wandern in eine Abfalltonne.

Die erste Stadt in Western Australia heisst Kununurra, ein schönes Städtchen an einem See gelegen und ein kleiner, aber sehenswerter Nationalpark gleich vor der Haustür. Dort unternehmen wir kurze Wanderungen und in der Stadt stocken wir unsere Vorräte wieder auf. Alles gut, eigentlich ja, wenn es das leidige Thema Haftpflichtversicherung für das Auto nicht geben würde. Klar haben wir gleich in Darwin eine abgeschlossen, doch die gilt nur in Northern Territory, so wurde uns gesagt. Also bemühen wir uns um eine neue beim Strassenverkehrsamt, denn die obligatorische Motorfahrzeughaftpflichtversicherung kann man nur bei diesem Amt abschliessen. „Eine Versicherung, kein Problem“, sagt uns die freundliche Beamtin nach einem langen Telefongespräch mit Vorgesetzten im fernen Perth und schreibt uns einen Zettel mit den nötigen Unterlagen. „Das Auto muss zuerst die technische Inspektion bestehen“, teilt sie uns weiter mit. Das Dokument, wonach der Brummi eine solche Inspektion vor zehn Tagen mit Bravour bestanden hat, beeindruckt sie nicht. „Wir akzeptieren keine Inspektion von anderen Staaten“ ist die kurze Antwort. Ja klar, denke ich mir, vielleicht würde man am Zürcher Strassenverkehrsamt auch keine Bestätigung aus anderen Kantonen akzeptieren. Hier kann man zum Glück die Inspektion bei einer privaten Garage ausführen lassen. Die erste Garage ist ausgebucht, der nächste freie Termin wäre in drei Tagen. Freude herrscht, nur Romy ist zunehmend sauer. Bei der zweiten Garage haben wir mehr Glück. Der Besitzer mit rumänischen Wurzeln sieht es wie wir – eine bürokratische Schikane. So kontrolliert er nur die Daten und stellt uns die Bestätigung aus. Natürlich reklamieren wir nicht, auch nicht, als wir die amtlichen Gebühr von 94 $ bezahlen müssen (ca. Fr. 90.--). Ende gut, alles gut, am Schluss bekommen wir eine Versicherung, die angeblich im ganzen Land, sprich in allen Bundesländern gültig sein soll. In Darwin hat man uns allerdings gesagt, dass es keine Versicherung gibt, die in ganz Australien gültig ist. Aber vorerst sind wir ja nun einige Zeit in Western Australia.

Nun sind wir wieder unterwegs. Unser Ziel ist der Bungle-Bungle Nationalpark. Eigentlich heisst er richtig Purnululu, was in der Ureinwohnersprache „Sandstein“ heisst. Der Park ist bekannt für die ocker- und schwarzgestreiften Felsen, die an Bienenstöcke erinnern. Die auffälligen abgerundeten Felsenformationen bestehen aus Sandstein und komprimierten Kieselsteinen, welche die Zeit in Millionen von Jahren verwittern lies. Die verschiedenfarbigen Streifen werden durch den unterschiedlichen Lehmgehalt und die Porosität verursacht. Das Gestein in den dunklen Schichten ist durchlässiger und ermöglicht dadurch Algenwachstum, die helleren Streifen enthalten oxidiertes Eisen. Um die ganze Pracht zu überblicken, leisten wir uns etwas besonders: einen Helikopterflug über den Park. Der Heli ist ganz klein, nur drei Passagiere haben darin Platz. Es hat keine Türen. Das ist gut für das Fotografieren, aber es lässt uns den starken, von dem Hauptpropeller verursachten Wind, hautnah spüren. Wir kreisen über die Felsen und unsere Finger drücken den Kameraauslöser ohne Unterlass. So viele Bilder innerhalb so kurzer Zeit haben wir noch nie gemacht. Es ist wirklich einmalig und die 30 Minuten sind schneller vorbei als es uns lieb ist. Wir landen voll unvergesslicher Eindrücke.




Am nächsten Tag fahren wir in den Park und unternehmen dort verschiedene Wanderungen. Man muss sich streng an die ausgeschilderten Wege halten. Teils wegen der Sicherheit, denn allzuleicht kann man sich hier verlaufen, teils, weil bestimmte Plätze den Aborigines heilig sind und nicht betreten werden dürfen. Schwer zu sagen aus welchem Winkel die Felsen schöner sind – vom Boden oder aus der Luft betrachtet. Kaum zu glauben, dass dieses Gebiet von Weissen erst in den 1980-er Jahren entdeckt wurde.



 Und es geht weiter. Langsam wird uns bewusst, wie gross Australien eigentlich ist. Oft fahren wir Hundert Kilometer ohne dass sich die Landschaft merklich verändert. Siedlungen gibt es wenige und da heisst es unbedingt den Tank bis zum Rand füllen, denn die nächste Tankstelle kann 300 Km weit entfernt sein und man weiss nicht mit Sicherheit, ob sie auch Benzin hat. Es gibt natürlich auch Höhepunkte und das sind die zahlreichen Nationalparks.

Ich nenne nur zwei, die uns besonders gefallen haben: Der Tunnel Creek und Windjana Gorge. Der Zutritt ist angeblich nur für 4x4 Fahrzeuge erlaubt, aber Brummi schafft es ohne Probleme. Nur das oft tiefe „Wellblech“ der Piste ist nicht so angenehm zu fahren. Tunnel Creek ist wie es der Name sagt, ein Bach, der sich hier durch einen Hügelzug „durgefressen“ hat. Entstanden ist ein etwa 750 Meter lange Höhle, ein eigentlicher Tunnel, der sich durchwandern lässt. Allerdings muss man dabei oft durch bis zu 70 cm tiefes Wasser waten und ohne gute Taschenlampe gibt es kein Durchkommen.

Windjana Gorge, ausnahmsweise nur 20 km weiter, ist eine wunderschöne Schlucht. Hohe rot-schwarze Felsen ragen empor. Der Fluss bildet dazwischen zahlreiche Pools. Allerdings muss man vom Baden Abstand nehmen, auch wenn es so heiss ist – an den Sandbänken sonnen sich nämlich die Bewohner, es sind Süsswasserkrokodile. Zwar sollen sie den Menschen nicht so gefährlich sein, aber ein Biss ist etwa so angenehm wie der eines Kampfhundes.


Nun sind wir in Broome angelangt und somit an der Westküste Australiens. Hier wird es richtig touristisch. Eine Attraktion sind die Kamelsafaris am Strand bei Sonnenuntergang. In einer langen Reihe schreiten die Kamele würdevoll am Strand entlang, hinter ihnen versinkt die rote Sonne im Meer. Die Silhouetten der Kamele spiegeln sich im Wasser. Romys Foto- Herz hüpft. Morgen ist Whale Watching angesagt. Ob wir dabei Walfische sehen werden? Davon werden wir im nächsten Beitrag berichten.


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