Samstag, 20. Juli 2013

Wa(h)lbeobachter

Wie in unserem letzten Blog versprochen, hier ein Situationsbericht unserer Walbeobachtung: Kaum sind wir eine halbe Stunde mit dem Katamaran unterwegs, da tauchen ca. 100 Meter vor uns zwei Wale auf. Es sind Buckelwale, ungefähr 15 Meter lang, mit einem Gewicht zwischen 25 und 30 Tonnen. Ausgelassen toben sie herum, schlagen mit ihren Flossen lautstark auf das Wasser, immer und immer wieder. 


Dann schiesst plötzlich einer von ihnen in die Höhe, ungefähr die Hälfte seiner Körperlänge wird sichtbar und so sehen wir, wie riesig diese Tiere in Wirklichkeit sind. Mit einem lauten „Plumps“ fällt er ins Wasser zurück, sodass es weit aufspritzt. Der andere schlägt mehrmals mit der Schwanzflosse auf das Wasser. Es sieht aus, als würden die beiden eine Schau für uns inszenieren. Noch nie haben wir Wale so ausgelassen spielend erlebt. Irgendwann tauchen sie ab, hinterlassen noch ein paar Luftblasen aus ihren Blaslöchern und sind verschwunden. Es dauert aber nicht lange, bis der nächste auftaucht. Das Boot versucht etwas näher an ihn heran zu kommen, doch der Wal verschwindet. Plötzlich taucht er keine 20 Meter von uns auf und schiesst senkrecht nach oben. Romy erschreckt sich so, dass sie zu fotografieren vergisst und somit das Jahrhundertbild verpasst. Es wimmelt hier, dicht vor der Küste, nur so von diesen Riesenmeeressäugetieren. In den vier Stunden, die wir mit dem Boot unterwegs sind, sehen wir sicher 50 Wale. Oder sind es nur vielleicht immer wieder die gleichen? Das leibliche Wohl kommt bei der Tour nicht zu kurz. Ständig werden verschiedene Häppchen, Tapas, Sushi und Getränke angeboten. Viel zu schnell geht die Zeit vorbei und wir müssen wieder von Bord.

Am nächsten Tag sind etwas kleinere Tiere auf dem Programm. Wir fahren zum „Broome Bird Observatory“, einer Vogelbeobachtungstation in einer einsamen Bucht. In dem kleinen Camping sind scheinbar nur fanatische Vogelbeobachter anwesend. Sie können jeden Vogel beim Namen nennen und erkennen ihn sofort, auch aus grosser Entfernung. Begeistert berichten sie über die erfolgreichen Sichtungen, die sie schon hatten. Da können wir nicht mithalten und die englischen Vogelnamen sind uns sowieso total fremd. Aber Romy mit ihrem neuen langen Rohr, sprich 600 Millimeter Teleobjektiv, rettet die Situation. Sie wird von allen als eine grosse Tierfotografin eingeschätzt. Wir lernen, dass es hier zwei Gruppen von Vögeln gibt, die Waldvögel und die Strandläufer. Letztere laufen lieber, wie der Name sagt, am Strand auf der Suche nach kleinen Krabben und Muscheln. Unglaublich, dass einige der Vogelarten über 10‘000 Kilometer weit bis nach Sibirien fliegen und im Winter wieder hierher zurückkommen. Leider gibt es hier auch noch kleinere Tiere als die Vögel und zwar reichlich. Es sind die Moskitos, die uns regelrecht aussaugen. Aber davon war früher schon die Rede. Nun haben wir aber eine neue Waffe gegen sie. Eine freundliche Campingnachbarin hat uns Moskitospiralen geschenkt. Angezündet stinken sie zwar, aber sie wirken.

Nun wird es Zeit weiterzufahren. Wir wollen den Karijini National Park im Landesinnern besuchen. Die Attraktionen hier sind tiefe Schluchten und Wasserfälle. Der Boden enthält sehr viel Eisen. Dadurch wirkt alles irgendwie rostig. Hoffentlich steckt sich der Brummi nicht an. Auch das Visitors Centre des Parks wurde aus rostigem Eisen gebaut. Ganz in der Nähe gibt es grosse Bergwerke, wo Eisenerz für den Export abgebaut wird. Für den Abtransport hat man Eisenbahnen bis zum Hafen von Port Hedland gebaut. Da bringen kilometerlange Züge das abgebaute Erz zu den Verladeanlagen, wo schon riesige Schiffe warten. Später in Japan oder China entstehen daraus neue Autos oder andere Gebrauchsgegenstände. Das Geschäft blüht, es sind hier neue Städte entstanden, um die Arbeiter unterzubringen, so zum Beispiel Tom Price, nach dem Entdecker des Eisenvorkommens benannt.


Das nächste Ziel ist Exmouth. Die Stadt alleine wäre nicht die Reise wert, aber in der Umgebung befinden sich zwei bedeutende National Parks. Auf der Halbinsel ist es der Cape Range National Park und im Meer der Ningaloo Maritime National Park. Im Schatten des grossen Bruder, des Great Barrier Riffs, ist dieses Korallenriff wenig bekannt, obwohl es auch zum Weltnaturerbe gehört. Der Riff verläuft hier oft nur in kleiner Entfernung vor der Küste.


Die Strände sind fantastisch und man braucht nicht einmal Hundert Meter mit dem Schnorchel zu schwimmen und schon kann man eine Wunderwelt erleben. Korallengärten in unvorstellbarer Vielfalt, dazwischen schwimmen bunte Fische. Jeder schwärmt davon, wie schön es ist. Ja, hier werden Südseeträume war. Leider haben wir keinen Schnorchel dabei, wir haben nicht an jede Eventualität gedacht. (da hätten wir viel mehr Dinge mitnehmen müssen und der Brummi wäre total überladen). Das Problem löst sich im Gespräch mit freundlichen Einheimischen, die den Brummi bewundern und uns ausfragen. “Unglücklicherweise haben wir keine Schnorchel mit dabei“, füge ich am Schluss unseres Gesprächs an.“ Kein Problem, wir haben genug Reserveschnorchel, ihr könnt euch welche aussuchen“ geben sie unaufgefordert zur Antwort. Und so können auch wir diese verborgene Wasserwelt mit den eigenen Augen sehen. Romy versucht sie sogar mit der Kamera im Unterwassergehäuse einzufangen. Aber nichts ist vollkommen, ein starker, kalter Wind vom Land sorgt dafür, dass wir es nicht allzulange im Wasser aushalten. An diesem schönen Ort würden wir gerne länger bleiben.

Das Problem ist, dass man nur auf den Campingplätzen des Nationalparks übernachten darf. Und die sind alle – wie schon ein grosses Schild bei der Touristeninformation in Exmouth verkündet hat – ausnahmslos besetzt. Um das Ökosystem zu schützen, werden nur eine begrenzte Anzahl Personen in den Park gelassen. Trotzdem fahren wir in den Park. Am Parkeingang fragt uns die Rangerin „Braucht ihr vielleicht eine Unterkunft? Gerade bekam ich eine Meldung, dass ein Platz in einem Camping frei geworden ist“. Ist das nicht ein Glückstag? So bleiben wir drei Tage, besuchen verschiedene Strände und machen Wanderungen ins Hinterland. Es gibt viele Tiere hier. Känguruhs grüssen uns am Morgen beim Aufstehen, Emus laufen uns über den Weg und natürlich eine Menge Vögel. Am besten gefallen mir die grossen Schwärme der Rosakakadus mit ihrem lauten Gekreische.


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