Donnerstag, 30. Mai 2013

Putzorgie in Melaka

Nun sind wir wieder unterwegs. Besser gesagt ich bin es, Romy wartet noch zu Hause, bis ich das leidige Verschiffen erledigt habe. Ja, schliesslich habe ich es ihr hoch und heilig versprochen, dass sie diese nervige Prozedur nicht mehr mitmachen muss. Nach einem langen Nachtflug komme ich in Kuala Lumpur an. Mit dem Bus geht es weiter zum Busbahnhof im Zentrum und etwas später mit dem Fernbus nach Sungai Petani, wo der Brummi hoffentlich unbeschadet auf mich wartet. Die ganze Fahrt dauert vier Stunden und ich verschlafe sie ganz, kein Wunder, nach dem Nachtflug. Trotzdem bin ich bei der Ankunft mehr als müde und die Hitze erschlägt mich fast, so dass ich gleich beim Busbahnhof in Sungai Petani in das nächste Hotel einchecke. Am nächsten Tag besorge ich zuerst eine Versicherung für das Auto und dann lasse ich mich mit dem Taxi zum Haus unserer Bekannten fahren. Ein grosser Stein fällt mir vom Herzen – der Brummi steht da, wie wir ihn vor fast sieben Monaten verlassen haben. Ich mache mich sofort an die Arbeit, zuerst die Hülle entfernen und alles checken. Dann der spanneste Augenblick, ich versuche den Motor zu starten. Nach etwa zwei Minuten – ich will schon aufgeben und zuerst die Batterie laden – springt er doch noch an. Toll Brummi, gut gemacht! Ich bereite alles für die Abfahrt am nächsten Morgen vor, dabei werde ich liebevoll von unseren Bekannten mit Essen und Getränken versorgt. Vielen, vielen Dank an die Eltern von Yit.

On the road again – aber zuerst nur zum nächsten Supermarkt, ich muss mir einige Vorräte zulegen. Dann die Autobahn, ich fahre mit Pausen Richtung Kuala Lumpur. Und was ich noch nicht gesagt, es ist heiss, so um 37 Grad, ungewohnt nach den kalten Frühlingstagen in der Schweiz. Irgendwie ist es komisch ohne Romy unterwegs zu sein. Vor Kuala Lumpur ist alles verstopft, das ist hier der Normalzustand. Ich übernachte an einer Autobahnraststätte. Schlafen kann ich aber nicht viel, die Zeitverschiebung und die Hitze setzen mir zu. Dann erreiche ich Melaka. Dort haben ich ein Treffen mit Susanna und Peter verabredet. Sie sind Schweizer aus Goldach und auch schon längere Zeit unterwegs. (www.ufbrechopf.ch) Wir werden zusammen unsere Autos in einem Container nach Australien verschiffen, so der Plan. Ich habe die Koordinate von ihrem Standplatz, dem Apa Kaba Guest House bekommen und der GPS führt mich dorthin. Aber nichts ist vollkommen, es bleiben nur noch 300 Meter, dann macht mir eine Einbahn einen Strich durch die Rechnung. Ein riesiger Umweg ist nötig. Bei den total verstopften Strassen hier dauert es eine weitere halbe Stunde bis ich endlich am Ziel bin. Susanna und Peter begrüssen mich herzlich, wir sehen uns zum ersten Mal. 

Sie sind mit Putzen ihres Autos beschäftigt, und das wird auch meine Aufgabe für die nächsten Tage sein. Denn die Bestimmungen in Australien sind sehr streng, nicht ein Krümelchen Erde oder eine andere Verschmutzung darf der Quarantäneinspektor am und im Auto finden. Ich fahre zuerst zum Waschplatz, um das Grobe zu erledigen. Nach getaner Arbeit meint der gute Mann von der Waschanlage: „Das Auto ist schon alt, da bringen wir den ganzen Dreck nicht weg“. Recht hat er, denn im Laufe der Zeit und vor allem den letzten zwei Jahre hat sich der Schmutz fest in den Unterbodenschutz eingefressen. Eine Lösung hat er auch schon bereit: Ein neuer Unterbodenschutz!
Dass es in Malaysia so etwas gibt habe ich nicht vermutet. Und so bekommt der Brummi eine neue, pechschwarze Unterschicht. Das alles für umgerechnet 25 Franken. Hoffentlich wird der besagte Inspektor in Australien das nicht allzu verdächtig finden…….

In einer Werkstatt in der Nähe lasse ich noch Ölwechsel machen und eine neue Batterie für die Solaranlage einbauen.

In den nächsten Tagen ist die Detailarbeit angesagt. Nie hätte ich gedacht, dass es an einem Auto so viele Winkel, Spalten, Fugen und versteckte Ecken gibt. Und überall hockt der Staub oder Dreck. Vier volle Tage bin ich dran und meine Wertschätzung für die Hausfrauenarbeit wird mit jedem Tag grösser. Ich will die Leser nicht mit allen Details dazu langweilen, aber geschwitzt habe ich gehörig.







Doch alles hat ein Ende und nach den Putztagen habe ich nun endlich Zeit gefunden auch die Stadt zu besichtigen. Malaka oder Melaka wurde von den Portugiesen gegründet, später von den Holländern übernommen, die ihrerseits von den Engländern vertrieben wurden. So haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele Denkmäler angesammelt. Auch die Bevölkerung Melakas ist buntgemischt. Malaien, Chinesen und Inder sind die grössten Gruppen. Jede Gruppe hat ihre eigene Religion und somit ihre eigenen Tempel. Da steht eine Mosche gleich neben einem Hindutempel, ein chinesischer Tempel steht um die Ecke und eine christliche Kirche ist nicht weit, alles scheinbar friedlich miteinander vereint. Nicht umsonst wurde die Stadt in die UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.

Die Zeit läuft schnell. Nach dem Putzen (es gibt zwar jeden Tag etwas zum Nachputzen, denn immer wieder entdecke ich einen Winkel, der bis jetzt meiner Aufmerksamkeit entgangen ist), widmen wir uns der Verschiffung. Da türmen sich noch grössere Probleme als beim Putzen auf. Jeden Tag erhalten wir die Meldung von der Agentur, dass das Schiff wieder einen Tag mehr Verspätung hat. Wir müssen auch das Abschleppen organisieren. Aus uns unbekannten Gründen ist es nämlich verboten, mit einem Camper auf Singapurs Strassen zu fahren. Die einzige Möglichkeit ist die Autos abschleppen zu lassen, um von der malaysischen Grenze zum Hafen von Singapur zu gelangen. Doch auch das ist nicht einfach. In Singapur werden die Fahrzeuge mit hochgehobener Vorderachse abgeschleppt. Da aber unsere beiden Autos einen permanenten Vierradantrieb haben, ist dies technisch nicht möglich. Auch da suchen wir nach einer Lösung. Wenn es auf einer Reise eine wirkliche Herausforderung gibt, dann ist es eine Verschiffung. Dabei habe ich gehofft, dass es hier nicht so kompliziert wird wie vor einem Jahr in Indien. Wir bleiben bis auf weiteres in unserem schönen Garten bei Apa Kaba Guest House stehen und harren der Dinge, die da kommen werden.

Samstag, 18. Mai 2013

Wieder unterwegs

Am 19. Mai setzen wir unsere Reise mit der dritten Etappe fort. In gut sechs Monaten planen wir Australien zu bereisen, siehe die Registerkarte "Route". Doch zuerst muss der Brummi dorthin gelangen. Miro fliegt deshalb nach Malaysia, wo bekanntlich der Brummi unter einer Palme wartet um die Verschiffung zu organisieren. Wenn alles gut geht, soll das Schiff  "BBC Canada" mit Brummi am Bord am 2. Juni in Singapur ablegen. Und wenn es noch einmal gut geht am 11. Juni in Darwin, Australien ankommen.
Es wird alles nicht so einfach sein, die Bestimmungen in Australien sind streng. Es heisst putzen, putzen und noch einmal putzen. Den Brummi natürlich, innen und aussen muss er penibel sauber sein und das ist nach den durchgemachten Schlammschlachten nicht gerade einfach zu bewerkstellen.. Romy wird zwischenzeitlich noch die Stellung in der Schweiz halten. Wenn der Brummi in Container ist, kommt sie nach.
Wir werden in der gewöhnten Art wieder berichten. Also demnächst auf dieser Webseite.

Montag, 21. Januar 2013

Lebenszeichen aus dem Iglu


Nun leben wir schon drei Monate zu Hause und wir geniessen das „normale“ Leben in unserer Wohnung. Der Winter in der Schweiz ist eine gute Abwechslung zur Hitze in Indien und der Schnee eine willkommene Abwechslung zur Regenzeit in Südostasien. Alle Besuche haben wir nachgeholt - falls wir jemand vergessen haben-, soll er oder sie sich bitte melden. Danke an alle, die uns die Treue gehalten und uns nicht vergessen haben.
Romy besucht fleissig die Physiotherapie, sie hat schon Vorschritte gemacht, aber leider geht es mit ihrer Schulter nicht so schnell vorwärts wie sie gerne möchte. Wir hoffen das Beste, denn irgendwann im Mai soll es ja nach Australien weitergehen. Das Datum haben wir noch nicht festgelegt, wir werden sicher alle rechtzeitig informieren, wenn es so weit ist. Nebst der Physiotherapie ist Romy fast ununterbrochen mit der neuen Multivision Show beschäftigt. Zeitweise verfällt sie in Panik, denn das Datum von der Premiere in Urdorf ist schon bekannt.


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Der erste Teil unserer Reise (2011) zeigen wir für alle, die es verpasst haben oder noch einmal sehen möchten etwas später in Schlieren.



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Wir freuen uns, wenn wir euch bei diesen Gelegenheiten treffen.

Und zuletzt noch etwas in eigener Sache. Im Mai haben wir noch einen Platz für ein Auto im Container von Malaysia nach Australien frei – für Kurzentschlossene eine einmalige Gelegenheit!

Donnerstag, 1. November 2012

Zu Hause


An einem regnerischen Montagmorgen landen wir in Zürich, müde nach dem fünfzehnstündigen Flug. Regen – den haben wir genug gehabt, wir sind ja teils während der Regenzeit gereist. Doch dieser Regen hier ist frisch und wir geniessen für das Erste die Kühle, es kommt uns vor als ob das ganze Land mit einer riesigen Klimaanlage ausgerüstet wäre.

Viel hat es sich nicht geändert in den sechseinhalb Monaten die wir unterwegs waren, wenigstens kommt es uns so vor. Aber vielleicht, weil wir in der letzten Zeit schon in „zivilisierteren“ Ländern (Thailand, Singapur, Malaysia) unterwegs waren. Nur unsere Wohnung erscheint uns wieder riesengross – kein Wunder nach der langen Zeit im kleinen VW Bus.

Romy hat am zweiten Tag einen Termin beim Arzt. Der Gips wird definitiv abgenommen und der Bruch untersucht. Wir sind glücklich zu vernehmen, dass keine Unregelmässigkeiten ersichtlich sind. Nun besucht sie fleissig eine Physiotherapeutin und mit etwas Glück wird der Arm wieder so beweglich werden wie vor dem Unfall.

Der Brummi wartet in Malaysia im Schatten einer Kokospalme. Ob es im nächsten Frühling weiter geht? Wir planen noch nicht konkret, zuerst möchten wir die Zeit zu Hause geniessen und alle unsere Freunde und Bekannten wiedersehen. Doch gewisse Ideen haben wir schon – wir wollen den Brummi im nächsten Frühjahr nach Australien verschiffen. Wir müssen wegen seiner Höhe einen HQ Container nehmen und den gibt es nur in 40 Fuss Ausführung. So haben wir noch genug Platz für ein zweites Fahrzeug. Vielleicht liest diese Zeilen jemand, der ähnliche Pläne hat. Wir würden uns über eine Nachricht freuen.

Wie gesagt, wir geniessen die Zeit hier zu Hause. Darum wird es lange Zeit keinen neuen Beitrag in unserem Blog geben. Vielen Dank allen Lesern und Leserinnen für die Treue. Wenn der richtige Zeitpunkt da ist, melden wir uns wieder………


Mittwoch, 17. Oktober 2012

Das letzte Stück


Innerlich tief bewegt vom Besuch des Museums der Todesbahn fahren wir weiter Richtung Süden. Es bleibt uns zwar nicht mehr viel Zeit um Malaysia rechtzeitig zu erreichen (wir haben dort einen Termin mit unseren Bekannten aus Singapur vereinbart), trotzdem wollen wir nicht alle Sehenswürdigkeiten am Weg links liegen lassen. Dazu gehören vor allem die schwimmenden Märkte, die an den Wochenenden im Umkreis von Bangkok stattfinden. Das Leben hier spielt sich an den verwinkelten Kanälen ab, das Verkehrsmittel ist das Boot, entweder altmodisch und leise mit einem Paddel oder mit einem lautstarken Motor angetrieben. Viele der Boote sind zu schwimmenden Garküchen oder Läden umgebaut.

Die Ufer sind gesäumt mit Restaurants und, es könnte ja nicht anders sein, denn das alles ist mittlerweile eine der grössten touristischen Attraktionen, mit unzähligen Geschäften, die Andenken, Schmuck, Kleider und allerlei Ramsch an die von Bangkok in grossen Zahl anreisenden Touristen und Einheimischen verkaufen. Und wie es scheint, läuft das Geschäft nicht schlecht. Da wir an diesem emsigen Treiben teilhaben wollen, buchen wir ein Guest House direkt an einem Hauptkanal. Im Nachhinein erweist sich diese Idee aber nicht als allzu gut.

Die Lage am Wasser ist zwar sehr romantisch, aber wie es heisst – nichts ist vollkommen. Nur eine dünne Holzwand trennt uns vom Steg, an dem Hunderte von lauten Touristen und Einheimischen hin und her laufen.

Die weiteren Tage verbringen wir vorwiegend mit fahren. Die Strassen sind gut und je weiter wir uns von Bangkok entfernen, desto mehr nimmt der Verkehr ab. Von der Strasse aus sehen wir oft prachtvolle Wats (buddhistische Klöster mit Tempeln). Doch wir haben in Thailand schon so viele davon gesehen. Es ist fast unmöglich sie alle aus der Nähe anzuschauen. Da Romy mit ihrem eingegipsten Arm etwas mehr Komfort braucht, heisst es an jedem Nachmittag ein Hotel zu suchen. Manchmal erweist sich die Suche etwas schwierig, denn wir fahren durch Gebiete, die sehr selten von Ausländern besucht werden. Alles ist nur in thailändischer Schrift angeschrieben und in unserem Reiseführer sind diese Orte gar nicht erwähnt. Es klappt zwar nicht auf Anhieb aber wir finden immer eine Bleibe.

Eine Zitterpartie ist der Grenzübergang nach Malaysia. Bekanntlich wollen wir dort das Auto einige Monate stehen lassen und darum müssen wir vermeiden, dass der Zoll in unseren Dokumenten einen Eintrag für das Auto macht. Denn dann dürften wir das Auto nur drei Monate in Malaysia stehen lassen und würden, falls wir diese Frist nicht einhalten, bei der Ausreise Probleme wie seinerzeit in Nepal bekommen. Zum Glück ist der Grenzübergang so unübersichtlich und der Verkehr so gross, dass es uns gelingt durzufahren - ohne dass das Zolldokument des Brummis registriert wird. Gleich nach der Grenze tanken wir das sagenhaft billige malaysische Benzin. Nach Sungai Petani, wo wir das Auto bei einer chinesischen Familie einstellen werden, ist es nicht mehr weit. Wir haben es geschafft die lange Strecke durch ganz Thailand ohne eine Panne zu fahren. Oben, ganz im Norden von Laos, im „Goldenen Dreieck“, hat uns der Brummi ja zum ersten und einzigen Mal, seit wir in der Schweiz gestartet sind, wirklich „stehen“ lassen. Weit abseits der Hauptstrecke auf einer kleinen, löchrigen Piste ging während der Fahrt plötzlich der Motor aus. Alle Startversuche blieben erfolglos. Ein Blick in den Motorraum hat mir gezeigt, dass kein Treibstoff mehr in den Vergaser gelangte. Ich untersuchte den Treibstofffilter, doch der schien in Ordnung zu sein. Also wechselte ich die Benzinpumpe aus, die wir glücklicherweise als Ersatzteil dabei hatten. Und siehe da, der Motor sprang auf Anhieb wieder an. Ohne Ersatzpumpe wären wir wohl etwas länger als uns lieb gewesen wäre, im „Goldenen Dreieck“ geblieben. Wir wollten später in Thailand bei der VW-Vertretung eine neue Reservepumpe besorgen und haben erfahren, dass diese in Deutschland bestellt werden muss, Lieferfrist vier Wochen!

 Bei der Ankunft in Sungai Petani bleiben uns sogar zwei Tage als Reserve. Diese verbringen wir mit putzen und aufräumen – bei fast 40 Grad im Schatten, der spärlich vorhanden ist – kein Vergnügen. Wir planen ja im nächsten Jahr das Auto nach Australien zu verschiffen und die australischen Einfuhrbestimmungen sind bekanntlich sehr streng. Nicht einmal ein Klümpchen Erde oder Dreck darf am Fahrzeug haften bleiben. Der Brummi hat ja viele schlammige Pisten in Tibet und am Mekong hinter sich und sieht unten entsprechend aus. An manchen Stellen könnte man Kartoffeln pflanzen… Drei Arbeiter waschen und putzen mit verschiedenen Mitteln den Unterboden den ganzen Vormittag – trotzdem haben wir den leisen Verdacht, es sei immer noch nicht genug für die strengen Augen der australischen Kontrolleure.

Wir treffen uns mit unseren Bekannten aus Singapur, die ihren hier lebenden Eltern einen Wochenendbesuch abstatten. Im Garten von Yits Grossmutterhaus parkieren wir den Brummi im Schatten einer Kokospalme. Die zweite Etappe unserer Reise ist nun zu Ende, der Brummi wird hier auf uns warten und wir fliegen morgen zurück in die Schweiz. Wir freuen uns schon, vor allem auf das etwas kühlere Wetter. Diesmal ist es nicht ganz ohne Pech und Pannen gegangen aber wir drei haben es geschafft. Ich habe die beste Frau und das beste Auto der Welt - ich danke Euch beiden.

Das Schlimmste unterwegs war der Oberarmbruch von Romy. Gleich nach unserer Rückkehr in die Schweiz wird sie zum Arzt gehen. Dort wird der Gips abgenommen und der Arm untersucht. Da wird sich zeigen, ob unsere Entscheidung, nicht sofort in die Schweiz zu fliegen, richtig war.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Es geht weiter

Heute fahren wir ins Spital von Chiang Mai. Es sind 6 Tage seit dem Unfall vergangen. Bis zehn Tage kann man noch operieren, falls es sich als nötig er weist. Wieder durchlaufen wir die ganze Spitalprozedur – Registrierung, Zuweisung zu der zuständigen Abteilung, neue Röntgenbilder, das Gespräch und die Beurteilung durch den Arzt, der Gang zu der Kasse. Dazwischen warten, warten und noch einmal warten. Dann das Gespräch mit dem zuständigen Chirurgen. Er meint, eine Operation würde die Beweglichkeit der Schulter verbessern. Allerdings könne diese auch durch eine Operation nicht mehr zu 100 % hergestellt werden.

Um ganz sicher zu gehen fotografieren wir die neuen Bilder ab Bildschirm ab (heute bekommt man sie auf einer CD) und schicken sie der REGA-Ärztin. Sie hat sie dann einem Chirurgen vom Spital Winterthur zur Beurteilung vorgelegt und er war auch der Meinung, eine Operation sei nicht zwingend. Wir sind glücklich über diese Aussage und entscheiden uns, unsere Reise wie  geplant fortzusetzen - auch wenn es für Romy umständlich ist. Wir wissen noch nicht, ob sie überhaupt im Bus schlafen kann. Das ist aber kein Problem, es hat ja eine Menge von Guest Houses und Hotels hier. Genauso ist es mit Kochen, man kriegt überall was und sonst bin ich gefordert. Ich glaube, für Romy wird die grösste Einschränkung sein, dass sie nicht mehr so gut fotografieren kann. Und einen Gips in dieser Hitze und Luftfeuchtigkeit zu tragen ist auch nicht gerade lustig.


Inzwischen sind, nach der Veröffentlichung des letzten Blogbeitrags, viele liebe Genesungswünsche für Romy eingegangen. Sie möchte sich auf diesem Weg bei allen Bloglesern bedanken. Es tut sehr gut zu wissen, dass man im Unglück nicht alleine ist. Vielen, vielen Dank.

Zuerst besuchen wir Cordula und Jochen, zwei Deutsche, die schon 10 Jahre unterwegs sind. Ihnen ist es gelungen im Jahr 2004 durch Myanmar zu fahren – ein Versehen der Behörden, wie sie glauben, denn seither hat das niemand mehr geschafft, bekanntlich leider auch wir nicht. Sie wohnen seit zwei Jahren in einem Haus in der Nähe von Chiang Mai und der Landrover im Garten wartet bis es wieder weiter geht. Wir verbringen den Nachmittag und Abend mit Erzählen. Es tut immer gut sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und den einen oder anderen Tipp zu bekommen.

Bevor wir Chiang Mai endgültig verlassen wollen wir die „grösste“ Attraktion mit eigenen Augen sehen. Es ist das „Tiger Kingdom“, wo etwa 40 Tiger leben. Nicht die Tiger sind die eigentliche Attraktion, sondern dass man zu ihnen in die Gehege gehen kann - für entsprechendes Eintrittsgeld und unter Aufsicht versteht sich. Dann kann man die Tiger streicheln und sich mit ihnen, wie mit einer Hauskatze, fotografieren lassen. Das findet grossen Zuspruch vor allem bei asiatischen Touristen. Die Tiger lassen sich das ohne Murren gefallen, sie sind alle in Gefangenschaft geboren und an Menschen gewöhnt. Die Frage ist natürlich berechtigt, wie dies mit einer tiergerechten Haltung zu vereinbaren ist.

Nun Fahren wir also weiter. Zuerst geht es in die östliche Richtung zur Grenze mit Myanmar. Nachdem wir das städtische Gebiet um Chiang Mai verlassen haben, sind wir wieder in der Natur, wir durchfahren eine hügelige Gegend mit schönen Reisterassen, dicht am höchsten Berg Thailand vorbei. Mit seinen etwa 2200 Meter ist er aber nicht wirklich ein Riese. Wir bekommen ihn leider nicht zu sehen denn sein Gipfel hüllt sich in Wolken. In der Nähe von Mae Siriang erreichen wir die Grenze zu Myanmar und fahren gut 200 Kilometer an ihr entlang Richtung Süden.

Unterwegs stossen wir auf Dörfer, die eigentlich Flüchtlingslager sind. Die Flüchtlinge kamen über den Fluss und suchten Sicherheit vor der Willkür und Verfolgung des Militärs von Myanmar. Hier werden sie durch thailändische Behörden geduldet und durch internationale Hilfsorganisationen betreut. Die Lager bestehen aus einfachen Bambushütten mit Blätterdach, die dicht aneinander gebaut sind.

Scheinbar werden sie nicht bewacht und die Leute können sich frei bewegen. Sie bebauen kleine Felder in der Umgebung der Dörfer. Wenn aber Romy fotografieren will, ist sofort jemand zur Stelle, der sie darauf hinweist, dass das Fotografieren hier nicht erlaubt ist. Sie verstehen auch kein Englisch und damit ist kein Gespräch möglich. Wir hoffen, dass mit der verbesserten politischen Situation in Myanmar diese Menschen bald nach Hause kehren können.

Unser Ziel heute ist Mae Sot. Hier überspannt eine „Freundschaftsbrücke“ den Fluss nach Myanmar. Ausländer können ihren Pass deponieren und die Grenzstadt in Myanmar einen Tag besuchen. Viele machen es um bei der Wiedereinreise ein neues thailändisches Visum zu bekommen. Hier, über diese Brücke wären wir eingereist, wenn wir die Genehmigung für Myanmar bekommen hätten.

Weiter geht es nun, immer Richtung Süden. Fast jeder kennt den Film oder wenigstens das Lied „Die Brücke am Kwai“. Es gibt sie aber wirklich, hier in der Nähe der Stadt Kanchanaburi. Der Fluss heisst aber nicht Kwai, sondern Khwae. Die Geschichte, die der Film erzählt, beruht auf wirklichen Ereignissen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Thailand vom japanischen Militär besetzt, wie auch ein Teil von Birma, dem heutigen Myanmar, die damals eine britische Kolonie war. Ein weiteres Vordringen Richtung Indien wurde vorbereitet. Aus diesem Grund wurde eine Bahnlinie zu der Grenze gebaut um den Nachschub für den weiteren Vormarsch zu ermöglichen. Der Bau wurde vor allem durch Kriegsgefangene ausgeführt. Engländer, Amerikaner, Australier, Holländer und viele andere mussten hier unter unvorstellbaren Bedingungen und oft nur mit blossen Händen schuften. Tausende liessen hier ihr Leben, gestorben an Krankheiten, Unterernährung und der Brutalität der japanischen Aufseher. Ein Kriegsfriedhof mit langen Reihen der Grabsteine zeugt von diesen Verbrechen.

Die Brücke selber ist nun eine Attraktion geworden. Ganze Busladungen, vor allem asiatischen Touristen, werden herangekarrt und dürfen über die Brücke hin und zurück laufen. Am Abend wird sie farbig beleuchtet. Rund herum gibt es eine grosse Anzahl Andenken-Supermärkte, Restaurants und alles, was diese Touristen angeblich brauchen. Der Rubel rollt. Irgendwie ist mir komisch zu Mute, wenn ich denke, wie die Kriegsgefangenen hier damals gelitten haben.

Dann geht es weiter Richtung Süden. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit um Malaysia rechtzeitig zu erreichen.

Wir leben noch.



Donnerstag, 27. September 2012

Wenn einer eine Reise tut…

…hat er nicht nur schöne und angenehme Erlebnisse, sondern auch andere – aber davon später.
Zuerst fahren wir weiter nach Norden. Hier ist Laos sehr hügelig und es leben in dieser Region viele verschiedene Ethnien, Hill Tribes, also Bergstämme, wie sie genannt werden. Um möglichst viel über sie zu erfahren und ihre Dörfer kennen zu lernen, buchen wir eine Tour.


 Bald sind wir aber regelrecht überfordert, denn es gibt so viele Stämme und jeder hat seine eigenen Gebräuche und Trachten, errichtet verschiedene Arten von Häusern, redet unterschiedliche Sprachen und baut vorzugsweise andere Pflanzen an. Früher haben viele der Stämme Opium angebaut. Durch die Politik der Regierung verbunden mit Umsiedlung und der Einführung anderer Verdienstmöglichkeiten ist die Kultivierung von Opium angeblich verschwunden.

„Vielleicht, irgendwo an versteckten Orten in den Bergen ist es noch möglich“, gibt unser Guide zögernd zu. Schliesslich befinden wir uns hier im berühmt, berüchtigten „Goldenen Dreieck“ an der Grenze von Laos, Myanmar und China.“ Angebaut wird aber nur noch für den Eigengebrauch“, betont er. Die Menschen verdienen jetzt ihren Unterhalt mit Kautschuk-Bäumen. Die Folgen für die Umwelt sind umstritten, denn dafür wird der Wald gerodet und es entstehen riesige Monokulturen.

Wir sind jetzt nur noch 19 km von der chinesischen Grenze entfernt. Hier wären wir eingereist, wenn die chinesischen Behörden in diesem Jahr Tibet nicht gesperrt hätten. Eine perfekt ausgebaute Strasse verbindet China mit Thailand, die sonst keine gemeinsame Grenze haben. Riesige Lastwagen pendeln zwischen den beiden Grenzübergängen und geben Zeugnis vom regen Warenaustausch. Ganz gemütlich erreichen wir Houay Xai, eine kleine Stadt am Mekong. Hier verbringen wir unsere letzte Nacht in Laos.


Die Brücke über den Fluss ist noch im Bau, wir müssen eine Fähre benutzen um rüber nach Thailand zu gelangen. Wir verabschieden  uns von diesem magischen Fluss, dem wir auf einer Länge von gut
2000 km gefolgt sind. Leider wird der Abschied anders als wir uns vorgestellt haben. Die Fähre legt am anderen Ufer an, und dann passiert es…

Romy steigt als erste aus, um mich beim Verlassen der Fähre zu fotografieren. Die Ausfahrt ist schlammig, und ohne überhaut reagieren zu können rutscht sie aus und stürzt zu Boden. Während ich mich um die Einreiseformalitäten kümmere, sitzt sie wie ein Häufchen Elend auf einer kleinen Mauer. Es wird auch mir als Laie klar, dass hier etwas nicht stimmt. Zum Glück im Unglück sind wir in Thailand, wo das Gesundheitswesen  recht gut ist und es gibt in diesem Grenzort ein Spital. Unser GPS weiss sogar den Weg und so fahren wir so schnell wie möglich hin. Liebevoll kümmern sich die Krankenschwestern um Romy. Ihre Schulter wird geröntgt und der Notfallarzt stellt die Diagnose – der Oberarmknochen (Humerus) ist gebrochen. Da es in diesem Spital keinen Orthopäden gibt und man glaubt, dass eine Operation nötig ist, schickt man uns in ein etwa 120 km entferntes Spital in der Provinzhauptstadt Chiang Rai. Dort macht man in der Notaufnahme alle Vorbereitungen wie EKG etc. für die Operation. Als der Facharzt nach Stunden kommt – es ist mittelweile spät am Abend – meint dieser, eine Operation sei nicht nötig. So wird den Oberarm und die Schulter vergipst und Romy auf die Station gebracht, sie muss diese Nacht im Spital bleiben. Ich schlafe im Bus auf dem Parkplatz nebenan. Von Schlafen kann man aber nicht reden. Tausende Gedanken kreisen in meinem Kopf. Wird Romy gesund? Wie geht es weiter…

Und so lernen wir ein thailändisches Spital von innen kennen. Eine Erfahrung, auf die wir gerne verzichtet hätten. Das Spital (es ist eine private Stiftung) macht einen guten Eindruck und alle Angestellten sind sehr freundlich. Romy ist hier gut aufgehoben, einzig die Sprache ist teilweise ein Problem. Was uns auffällt, ist eine viel kleinere Anzahl an Krankenschwestern als bei uns. Die Pflege der Kranken wird grossenteils von den Angehörigen übernommen. Es ist auch ganz normal, dass diese die ganze Nacht auf einer Matte schlafend neben dem Krankenbett verbringen. Romy liegt in einem Vierbettzimmer und es sind teilweise bis zu 20 Menschen anwesend, vor allem zu den Essenszeiten. Nach der Arztvisite wird Romy nach Hause entlassen. Doch wir sind bekanntlich zurzeit unterwegs zu Hause. Ob es weitergehen kann ist noch unklar. Da Romy nicht in unser Bett im Auto kriechen kann, checken wir in ein Hotel ein. Die unterschiedlichen Aussagen betreffend einer Operation des Armes verunsichern uns. Romy ruft die REGA (Schweizerische Rettungsflugwacht) an und fragt nach medizinischem Rat. Es funktioniert ausgezeichnet mit Schweizer Präzision. Per E-Mail schicken wir die abfotografierten Röntgenbilder und bald ruft die Ärztin zurück. Es handelt sich um einen Grenzfall, in der Schweiz würde man wahrscheinlich operieren, meint sie. Ihr Ratschlag ist, nach einer Woche Vergleichsbilder machen zu lassen. Dann, je nachdem, wie der Knochen zusammen wächst, muss operiert werden. Romy entscheidet sich erstmals, diese eine Woche abzuwarten. Allerdings fahren wir nach zwei Tagen nach Chiang Mai, der grössten Stadt im Norden Thailands. Ein Tag sind wir unterwegs und testen dabei, ob das Reisen auf dieser Art und Weise überhaupt möglich ist. Chiang Mai hat eine schöne Altstadt mit sehr vielen Tempeln. Das nehmen wir nur am Rande wahr. Uns beschäftigt die Frage, was die neuen Röntgenbilder zeigen werden, denn nach der Auskunft der REGA-Ärztin sollte eine Operation innerhalb von 10 Tagen erfolgen.