Die Tage in Singapur
Singapur ist eine
moderne, in seiner Art spezielle Stadt. Eigentlich habe ich das letzte Jahr,
als ich hier mit Romy gewesen bin, nie gedacht, noch einmal hierher zu kommen.
Sag niemals nie wieder… Nun kann ich am ersten Tag für Susanna und Peter den
Fremdenführer spielen. Wir besichtigen zuerst das neue Wahrzeichen von
Singapur, das Marine Sands Hotel.
Von oben auf der Höhe des 57 Stocks, hat man
eine berauschende Aussicht über die Stadt und das Meer mit vielen wartenden
Schiffen. Auch die Stadt selber erinnert an ein Meer, ein Meer von
Wolkenkratzern. Es scheint, dass sich hier alle berühmten und bekannten
Architekten austoben durften. Wir laufen um die Lagune, die früher der Hafen
von Singapur war, und nutzen die Shopping Malls zur Abkühlung, denn sie sind
ohne Ausnahme klimatisiert und draussen ist sehr heiss, wir sind ja nicht weit
von Äquator entfernt.

Am Beispiel Singapurs kann man sich gut vorstellen, wohin
die Städteentwicklung in Zukunft führen wird. Viel ist auf Boden gebaut, welcher
dem Meer abgerungen wurde. Einfamilienhäuser bauen ist nicht gestattet. Der
private Verkehr wird stark reglementiert. Für ein Auto muss man zuerst ein
Zertifikat erwerben, das bis zu dreimal so viel kostet wie das Auto selber.
Damit nicht genug – bei der Einfahrt in die Innenstadt, auf den Autobahnen und
Parkplätzen, fallen happige Gebühren an, die kontaktlos über einen Sender am
Auto abgebucht werden. Dafür ist der öffentliche Verkehr perfekt organisiert.
Neue Wohnungen haben zwei Wasseranschlüsse, einen für das Trinkwasser und der
zweite für Gebrauchswasser. Die Bewohner werden fast pausenlos überwacht,
überall sind Kameras montiert.
Am Abend treffe
ich mich mit unseren Bekannten Swee und Yit. Sie sind Chinesen aus Malaysia und
leben und arbeiten in Singapur. Natürlich gehen wir auswärts essen, an manchen
Stellen erinnert Singapur an eine riesige Fressbeiz. Angeblich kochen Singapurs
Hausfrauen nur selten zu Hause. Als Dank dafür, dass der Brummi bei Yits Eltern
auf uns sicher warten durfte, habe ich Geschenke mitgebracht, für Yit ein
Schweizer Armee Messer. Nun ist es so, dass in der chinesischen Tradition ein
Messer zu schenken bedeutet, die Freundschaft beenden zu wollen. Das macht mir
Sorgen, denn ausgerechnet das will ich nicht. Aber Chinesen haben für jedes
Problem eine pragmatische Lösung. Sofort gibt mir Yit eine Dollarmünze zurück.
Die darf ich unter keinen Umständen ablehnen, denn dann würde die Freundschaft
wirklich zu Ende gehen.
Am anderen Abend
treffen wir uns mit Goh, unserem freundlichen Helfer und seiner Frau. Nach dem
Essen gesellen sich seine Freunde dazu. Die Motorradfahrer bilden überall auf
der Welt verschworene Gemeinschaften. Mehrere Flaschen Bier runden den Abend ab.
Zum Glück ist unser Hotel nicht weit vom Restaurant entfernt…
Singapur ist auch
eine Shopping City. Die Orchid Street ist berühmt für die unzähligen Shopping
Malls und Einkaufstempel. Alle berühmten teuren Weltmarken sind hier vertreten.
Nur Käufer gibt es nicht so viele. Die Zeiten, wo man in Singapur günstige
Elektronik oder Kameras kaufen konnte, scheinen zur Vergangenheit zu gehören.
Die Preise sind oft höher als in der Schweiz. Nicht viel gibt es gratis hier,
eine Sehenswürdigkeit ist aber unbezahlbar. Am Abend am Ufer der Lagune zu
sitzen und zu schauen, wie sich langsam ein Lichtermeer über die Stadt ergiesst
- unvergesslich. Wir bekommen die Nachricht, dass das Schiff Singapur in
Richtung Australien verlassen hat. Auch wir verlassen die Stadt und fliegen
nach Bali. Ob ich hierher noch einmal in meinem Leben kommen werde? Sag niemals
nie…
Bali – ein Paradies?
Ich zähle die
Tage bis Romy kommt. Wir sind inzwischen auf dieser Ferieninsel gelandet. Und
wir sind etwas enttäuscht. Bali ist doch der Inbegriff für ein Ferienparadies,
dachte ich. Zuerst aber werden dem Paradieshungrigen 25 Dollar abgenommen, als
Eintritt sozusagen. „Visa on Arrival“ nennt sich das.

Der Flughafenterminal hat
schon bessere Zeiten gesehen, draussen stürzen sich alle möglichen Anbieter
verschiedenster Leistungen auf uns. Susanna verhandelt hart und so können wir
für 60 000 Rupien mit dem Taxi zum Hotel fahren. Ja, wir sind wieder einmal
Millionäre geworden – für einen Franken bekommt man hier 10 000 Rupien! Also
mit 100 Franken gehört man schon zu den Millionären. Das nette Hotel mit einem
Schwimmbecken liegt in Kuta Beach.1973 war ich schon einmal hier, damals war es
ein beschauliches Dorf, wo höchstens ein paar australische Aussteiger Marihuana
rauchten. Das war einmal, heute quält sich der Verkehr in einer unendlichen
Kolonne durch die engen Gassen, überall hat es Geldwechsler, Andenkenshops, Restaurants,
Motorradvermietungen, Massagesalons, Schneider, Tätowierer und, und, und. Am
Abend sollen Prostituierte auf Motorrädern die Gegend unsicher machen, warnt
der Reiseführer. Den Strand gibt es zwar immer noch, leider ist er schwer
kommerzialisiert. Der Weg zum Meer ist ein Spiesslauf zwischen Händlern. Ja ein
Paradies habe ich mich anders vorgestellt. Und die schlanken Kokospalmen, die
sich im Wind wiegen, können es nicht wett machen.
Nun fehlt noch
Romy. Ich fahre noch einmal zum Flughafen, um sie abzuholen. Sie sieht nach dem
über 24 stündigen Flug erstaunlich frisch aus. Ich bin froh, dass sie wieder
bei mir ist. Nun fehlt nur noch der Brummi…